24.06.2022
Feline Heck

Die Chancen für Unternehmen durch interne Corporate Podcasts

Wenn ihr an Podcasts denkt, denkt ihr wahrscheinlich zunächst an die großen Flagschiffe wie »Gemischtes Hack«, »Fest & Flauschig« & Co. Wenn ihr an Branded Podcasts denkt, dann fallen euch vielleicht Unternehmen ein, die schon lange im Audiobereich unterwegs sind, wie Audi oder Vodafone. Woran ihr wahrscheinlich nicht denkt, sind interne Podcasts – und das müssen wir ändern.

Starten wir mit einer kurzen Definition: Interne Podcasts sind Audioformate, die explizit für die Zielgruppe ›Mitarbeiter:innen des Unternehmens‹ produziert werden. Meistens sind sie deshalb auch nur intern verfügbar und nicht für die breite Masse gemacht, wodurch sie – verständlicherweise – in der dynamischen Podcastlandschaft in Vergessenheit geraten können. Dadurch rücken sie völlig unverdient in den Hintergrund, denn in internen Podcasts steckt richtig viel Potenzial – und darum soll es heute gehen.

Eine wichtige Abgrenzung: Ich meine hier wirklich Podcasts, die exklusiv für Mitarbeiter:innen gemacht werden. Natürlich können auch andere Branded Podcasts, die das betreffende Unternehmen produziert, für Mitarbeiter:innen interessant sein. Beispielsweise werden die Berichte unterschiedlichster Unternehmer:innen über ihren Weg zur Digitalisierung in »Digitale Vorreiter:innen« auch von Vodafone-Mitarbeiter:innen gehört, die sich für das Thema interessieren  – aber der Podcast spricht eben nicht explizit Mitarbeiter:innen an (ich höre ihn ja zum Beispiel auch gerne).



Die vielen, vielen Vorteile von internen Podcasts

Dabei macht es in Anbetracht der Vorteile, die interne Podcasts mit sich bringen, für viele Brands und Anwendungsfälle total Sinn, über ein internes Format nachzudenken. 

Denn natürlich bringt auch ein interner Podcast für Mitarbeiter:innen das mit sich, was wir alle an Podcasts so lieben: Man kann sie einfach und unkompliziert hören. Die Stimme geht über die Kopfhörer über’s Ohr direkt in Kopf und Herz – die Kommunikation ist also viel emotionaler und ›näher‹ als beispielsweise bei einer Mail. 

Da schließt sich direkt der nächste Vorteil an: Interne Podcasts entlasten das Postfach der Mitarbeitenden, das in vielen Fällen sowieso schon total überquillt. Außerdem schafft man durch die Mobilität, die mit dem Audiomedium einhergeht, die Motivation, einfach mal weg vom Schreibtisch und raus in die Natur (oder eine Runde zum nächsten Coffee-to-go Shop) zu gehen, um bei diesem Spaziergang den internen Podcast anzuhören.

Ein weiterer großer Vorteil kommt mit den Themen, die sich für interne Podcasts eignen: Indem diese Themen besprochen und nicht geschrieben werden, werden direkt viel mehr ehrliche Gefühle transportiert. So eignet sich ein interner Podcast auch, um über komplexe oder schwierige Themen zu kommunizieren, denn man hat viel mehr Zeit, Dinge zu erklären und einzuordnen. Das schafft für die Mitarbeitenden und Zuhörenden im besten Fall mehr Transparenz, Verständnis, Unterstützung und Identifikation mit dem Unternehmen.

Und nicht zuletzt kann ein eigener, interner Podcast auch eine Form der Wertschätzung für die Mitarbeitenden sein. So werden nicht nur nach außen große Kampagnen gefahren oder wichtige Unternehmens-News im Business-Journal kommuniziert – auch intern werden alle Betroffenen über regelmäßige Podcast-Episoden mitgenommen.



Interne Podcasts? Ja! Aber bitte nicht ohne ›Rückkanal‹

Die Mitarbeitenden über einen internen Podcast informieren, unterhalten, empowern ist schön und gut – dabei sollte aber eine Sache nicht vergessen werden: ein Rückkanal. Podcasts haben ja generell das ›Problemchen‹, dass sie bloß in eine Richtung senden und nur über Umwege Feedback der Hörenden empfangen können. Doch gerade für die interne Kommunikation in Unternehmen ist die Möglichkeit, eine Rückfrage zum Gesagten zu stellen oder eine Anmerkung zu äußern, total wichtig. Die Lösung ist simpel: eine Mailadresse einrichten, einen Ort im Intranet schaffen, eine Handynummer für Sprachnachrichten zur Verfügung stellen.

Mit weiteren kleinen Ideen kann man noch mehr Wirkung erzielen: Denkt bei der Produktion daran, die Mitarbeitenden direkt als Zielgruppe anzusprechen, dass schafft umso mehr Relevanz und Nähe. Und vielleicht können (und wollen) sie auch direkt integriert werden?



Zwei Beispiele für interne Podcasts

In einen internen Podcast reinzuhören, wenn man nicht gerade in einem Unternehmen arbeitet, das einen internen Podcast produziert, ist gar nicht so einfach. Denn meistens sind die Formate nicht öffentlich – logisch.

Doch es gibt ein paar Beispiele von Unternehmen, die das anders machen: Audi veröffentlicht seinen »Mitarbeiterpodcast« so, dass er für alle zugänglich ist. Wenn ihr also mal wissen möchtet, was die ›Audianer:innen‹ diese Woche beschäftigt, dann werdet ihr hier fündig:



Und auch Otto macht seinen »O-Ton« primär für Mitarbeitende (aber theoretisch auch für alle anderen Interessierten). Das kann aus unternehmensstrategischen Gründen total Sinn machen und neben ›interner Kommunikation‹ auch auf die Themen Employer Branding und Infos für potenzielle Bewerber:innen einzahlen:



… und weitere Ideen für neue interne Formate

Es gibt noch sehr viel mehr Beispiele von internen Podcasts, von denen wir ›Externen‹ nicht wissen (können). Deshalb habe ich hier zum Schluss noch eine kleine Liste mit Ideen und Ansätzen für neue interne Formate zusammengestellt.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem internen Podcast:

  • zum Onboarding neuer Kolleg:innen, in dem die Unternehmens-Basics erklärt und die neuen Kolleg:innen – zumindest persönlicher als auf dem Blatt Papier – vorgestellt werden?
  • zur Schulung der Mitarbeiter:innen, die viel unterwegs sind und von Termin zu Termin reisen? In der Zwischenzeit können sie in Auto oder Bahn den Podcast über wichtige Produkt-Updates, sinnvolle Verkaufstechniken oder nützliche Background-Infos hören.
  • wenn ein Change-Prozess im Unternehmen ansteht? Hier könnte die Führungsebene regelmäßig, direkt und transparent im Podcast über die nächsten Schritte sprechen, komplizierte Themen erklären und so jede:n im Änderungsprozess mitnehmen.
  • als wöchentlicher Newsletter zum Hören, in dem Industry News, Competitor Updates und aktuelle Stats & Facts zum Unternehmen kurzweilig und informativ aufbereitet werden?
  • der ganz ab von Business-Themen mit Meditation & Stressabbau fokussiert und den Mitarbeitenden Tipps zum Selbstmanagement in den konkreten Tätigkeitsfeldern des Unternehmens gibt?
  • um F**k-ups zu thematisieren, um damit eine Fehlerkultur zu etablieren und dafür zu sorgen, dass über den ehrlichen Austausch zukünftige Missgeschicke vermieden werden?

Es gibt richtig viele Möglichkeiten und richtig gute Argumente für interne Podcasts – und gleichzeitig viel zu wenig Aufmerksamkeit für dieses kraftvolle Kommunikationstool. Vielleicht war dieser kleine Beitrag ja ein erster Schritt, um sie aus der Nische zu holen.

Feline Heck

Feline ist Content & Concept Managerin bei Podstars und gibt auf unserem Blog Insights und hands-on Tipps für gelungene Branded Podcast Formate.

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