21.01.2022
Denise Fernholz

Wir haben die deutsche Podcast-Branche gefragt, was sie für 2022 erwartet

Na, würdet ihr nicht auch gern mal in die Podcast-Glaskugel schauen? Welche Trends uns erwarten, welche Genres einen Aufschwung erleben werden, welche Themen uns umtreiben werden … Wir im Podstars-Team haben unsere Prognosen für 2022 schon in diesem Artikel mit euch geteilt. Aber das reicht uns noch nicht. Nein, wir haben bei den führenden deutschen Podcast-Produktionsfirmen nachgefragt: Was könnt ihr für das neue Jahr schon voraussagen? Was wünscht ihr euch? Wo seht ihr den deutschen Markt in Zukunft? Was habt ihr vor?



Saruul Krause-Jentsch, Head of Studios bei Spotify

User Generated Content wird Podcasts entscheidend vorantreiben. Bei Texten, Fotos und Videos haben wir die Demokratisierung von Inhalten bereits beobachtet: Auch im Audio-Bereich wird sich dieses Jahr die Anzahl der Creator:innen vervielfachen. Außerdem werden innovative Podcast-Produkte wie Video Podcasts, Live Audio oder interaktive Tools weiter angenommen werden. 

Was ich mir persönlich wünsche, sind spannende Spin-offs etablierter Podcasts. Hier gibt es viel Potenzial für neue, kreative Ansätze. Gerade große Formate können ihre bereits bestehende Reichweite nutzen, um Untermarken ihrer Podcasts aufzubauen und zu monetarisieren, zum Beispiel durch Live-Auftritte, Bezahlinhalte oder Community Payout-Systeme. Meiner Einschätzung nach wird sich das Podcasten durch diese Entwicklungen 2022 noch mehr lohnen. 

Besonders freue ich mich darauf dieses Jahr wieder mehr als Podcast-Industrie zusammenzukommen, u.a. beim »All Ears«, dem Podcast Summit von Spotify oder bei OMR dieses Jahr. Freue mich darauf, viele weitere Prognosen, Trends, Meinungen von Expert:innen zu hören und zu schauen, was bis dahin schon eingetreten ist.



Norbert Grundei, Head of Audio Strategy beim NDR

Der Podcast-Markt macht im Jahr 2022 den Move vom Wild West-Business hin zu einem ernstzunehmenden Markt-Segment. Das bedeutet auch, dass die Produktionen noch besser werden müssen, um sich durchzusetzen. Das muss und wird passieren:

  1. Innovative Always on-Formate: Langfristig reicht es nicht, zwei Prominente ins Studio zu setzen. Entweder muss das Format auf einer sehr guten und außergewöhnlichen Idee aufbauen – oder man hat Protagonist:innen, die wirklich Content, eine besondere Perspektive auf Themen und Personality mitbringen. Im Idealfall kommt beides zusammen. Ich hoffe, wir werden am Ende des Jahres zwei, drei sehr gute neue Always on-Formate in Deutschland sehen.
  2. Die nächste Evolutionsstufe erreichen: Insgesamt wird Qualität ein wichtigeres Unterscheidungsmerkmal: In den Inhalten, aber auch in der Produktion, im Storytelling – bis hin zur Cover-Art. 
  3. Das Discovery-Problem lösen: Wer es löst, wird auf jeden Fall einen Boost für seine Plattform haben. Wir brauchen einen guten Mix an tagesaktueller Kuratierung und automatisierten Empfehlungen.
  4. Podcast nicht im Podcast-Silo denken: Die großen Plattformen merken, dass es nicht reicht, Podcast-Studios zu kaufen. Das kann vielleicht als Business-Narrativ funktionieren. Podcast muss aber breiter gedacht werden als die Portfolios der meisten Studios. Es braucht eine Vernetzung von Ideen, Kreativen, Produzent:innen aus unterschiedlichen Mediengattungen. Nur so entstehen Blockbuster.
  5. User-Centricity ausbauen: Wir werden in der Produktentwicklung noch stärker den Fokus auf die Zielgruppen richten müssen, die wir erreichen wollen. Nur wenn wir ihnen einen echten Nutzen bieten, können wir uns überhaupt in der Vielfalt der Produktionen behaupten.


Anna Bühler, Geschäftsführerin von Kugel und Niere

Was ist ein guter Stoff? Ich glaube, diese Frage wird uns 2022 mehr und mehr umtreiben. Geschichten werden noch häufiger in Podcasts getestet – um dann, wenn sie Erfolg hatten, auch als Film oder TV-Serie weiterentwickelt zu werden. Spannend finde ich in der Hinsicht besonders die »Podcast Movies«, die in den USA im letzten Jahr zum Beispiel von Cadence13 produziert wurden: Podcasts in Filmlänge (oder wie wir sagen würden: Hörspiele). Bestimmt können wir die auch in Deutschland dieses Jahr vermehrt genießen.



Tobias Bauckhage, Co-Geschäftsführer und Mitgründer von Studio Bummens

Wir freuen uns bei Studio Bummens auf ein weiteres Wachstums-Jahr im deutschen Podcast-Markt. Und auch für 2022 haben wir uns vorgenommen, wieder mit ein paar neuen, hochwertigen Blockbuster-Formaten (wie wir das nennen) mitzumischen: Dazu zählen aufwändige, narrative Formate wie z.B. »Cui Bono II«, innovative Spielformate wie »Die Podcasts Games«, einige neue, prominent besetzte Talkformate und natürlich unsere andauernden Original-Shows: »Baywatch Berlin«, »Apokalypse und Filterkaffee«, »Weird Crimes«, »1000 erste Dates«, »Einfach mal Luppen«, »Toast Hawaii« und »Eulen vor die Säue«.

Das Podcast-Angebot in Deutschland wird sich auch in diesem Jahr weiter vergrößern. Und es wird auch mehr aufwändig produzierte Formate geben, filmisch erzählte Mini-Series und neue oder bislang unterversorgte Genres werden weiter erschlossen werden: Game-Shows, Sport-Shows, Reality-Shows und Scripted Comedy. Es wird auf jeden Fall weiterhin rasant und spannend.



Tina Jürgens, Managing Director von zebra-audio.net

Ich erwarte, dass sich der Wachstumstrend in der Branche fortsetzt. Der Umsatz, den Werbung im Podcast erzielt, wird steigen und auch die Anzahl der Formate wird sich noch einmal ordentlich erhöhen. Das Format Podcast wird sich außerdem inhaltlich weiter ausdifferenzieren. Wir können beispielsweise mit mehr Storytelling-Formaten rechnen und auch die Adaption von TV-Shows für das Medium Audio wird eine populäre Variante werden. Anfänge davon konnten wir bereits in 2021 sehen. Ich denke, mit dieser Ausdifferenzierung haben wir gute Chancen, auch neue Podcast-Hörer zu gewinnen. Daneben wird 2022 sicher das Jahr, in dem wir beim Thema Standardisierung wieder einen großen Schritt gehen werden – sei es in Bezug auf Werbeformate oder in der Weiterentwicklung der Reichweitenmessung.



Tobi Griebenow, Director of Content Germany bei Acast

Der deutsche Podcast Markt wird weiterhin konstant wachsen. Treiber für Wachstum sehe ich in der Akzeptanz der Reichweiten-Standards der IAB und wahrscheinlich auch der Agma. Durch gesteigerte Transparenz, Skalierbarkeit und Brand Safety werden mehr Budgets investiert, die wiederum die Professionalisierung der Inhalte fördern und Interesse bei neuen HörerInnen entfachen.

Subscription ist und bleibt eines der großen Themen im Jahr 2022, wenn es um Einnahmen und Community Building geht. Dank innovativer Lösungen, wie Acast+, werden Abo Modelle weiter an Bedeutung gewinnen. Zusätzlich gilt es den perfekten individuellen Mix aus ad-basierter Unterstützung, Abo Angebot und auch Branded Content zu finden. 

Immer mehr Podcaster:innen werden sich Creator-Netzwerken anschließen, die ihre Eigenständigkeit fördern und umfänglich unterstützen, statt zu limitieren. Der Fokus liegt dabei auch auf der Entwicklung einer Podcast-Marke, inklusive eigenem Merch, Live Touren und individuellen Kooperationen. Immer unterstützt durch positive Netzwerkeffekte wie professionelle zusätzliche Vermarktung, mehr Sichtbarkeit, Marketing und Wachstum.

Inhaltlich werden wir auch 2022 viele innovative neue Show-Konzepte sehen, besonders im Bereich Shortform Audio, Fiction und Dokumentationen. Und zum Glück bleibt der Trend zu mehr Diversität bestehen. Viele dieser Formate werden hoffentlich über alle Podcast Plattformen verfügbar sein, da der freie Zugang zu diesen Inhalten wichtig für die deutsche Gesellschaft ist.



Su Holder, Geschäftsführerin von BosePark Productions

Also erstmal glaube ich, dass Podcast-Trend-Vorhersagen wie Wetterprognosen oder Börse sind: viel Glauben, reichlich Spekulation und besonders den sogenannten Expert:innen sollte man auf gar keinen Fall trauen. Also ich glaube und hoffe vor allem, dass es 2022 mehr journalistische Formate geben wird, die gesellschaftlich relevante Themen aufarbeiten. Es wird vermutlich mehr kürzere Formate geben, dafür aber mit höherer Erscheinungsfrequenz, mehr Dailys, hoffentlich neue Stimmen, hoffentlich mehr Frauen, mehr Feminismus, intelligenten Content (Geschichte, Wissenschaft, Politik, Natur, Kunst) und weniger eitles Geschwafel von den immer gleichen. Ich glaube auch, dass Podcasts zunehmend in der Unternehmenskommunikation genutzt werden als Medium für Onboarding, Briefings oder Updates. Und Video-Podcasts werden 2022 auch zunehmen. Podcasts bleiben also sexy und werden 2022 noch mehr genutzt, allein schon weil ich mir sonst ja einen richtigen Beruf suchen muss.



Susie Warhurst, Head of International bei Apple Podcasts

2022 wird ein sehr spannendes Jahr für Podcasts in Deutschland. Inhaltlich freue ich mich auf mehr originäre Storytelling-Formate, die das Medium als wichtige Ergänzung zu den beliebten konventionellen Podcasts für Hörer:innen noch attraktiver machen – ob journalistisch aufgearbeitet oder komplett fiktional. Ich glaube außerdem, dass immer mehr Produzent:innen eigene Wege gehen und selbst im Besitz ihrer Rechte bleiben werden. Dabei wird auch die direkte Monetarisierung – z.B. durch Abonnements – helfen, ihre kreativen Visionen unabhängiger umzusetzen. Zuletzt und ganz generell wird sich der Podcast-Markt in Deutschland weiter professionalisieren –sowohl im Bereich der Vermarktung als auch in Sachen Produktion, wo das Niveau weiter steigen wird.



Richard Wernicke, Head of Content bei Deezer für Podcasts

Bei Deezer sehen wir den Entwicklungen in der Podcast-Branche natürlich sehr gespannt entgegen. Sicher ist, dass der Podcast-Markt auch in 2022 weiter wachsen und immer professioneller wird – ob bei den Aufnahmen, den Inhalten oder auch der Monetarisierung. Eine spannende Entwicklung im technischen Bereich sehe ich bei den sogenannten Text-to-Speech-Lösungen. Insbesondere die KI-Sprachsynthese, also der Einsatz von künstlicher Intelligenz zum Nachahmen oder auch Ersetzen von menschlichen Stimmen, könnte bei der Produktion von Podcasts eine innovative Rolle spielen. Zudem werden sich Podcasts weiter in das crossmediale Gefüge einreihen, sodass immer mehr TV- oder Video-Streamingformate als Podcasts in den Audio-Bereich verlängert werden. Zuletzt haben wir das selbst bei Deezer mit dem Dokumentations-Podcast »Underground of Berlin« in Zusammenarbeit mit DAZN umgesetzt. Gerade Dokumentationen könnten im Podcast-Bereich in diesem Jahr einen Aufschwung erleben und es werden sicher so einige, qualitativ-hochwertige Produktionen erscheinen.

Podcasts werden sich auch mehr den beliebten Hörspielen annehmen und eigene Versionen schaffen. Wer weiß, vielleicht entstehen dieses Jahr sogar ganze »Audio-Sitcoms«. Was meiner Meinung nach auch in 2022 kein Ende nehmen wird, ist die große Bedeutung der Podcast-Genres True Crime und Comedy bei den Hörer:innen. Beide Kategorien sind nach wie vor die beliebtesten auf Deezer.



Mirijam Trunk, Geschäftsführerin der Audio Alliance

Im Podcast-Jahr 2022 hat sich das Medium noch ein Stück weiter im Spending-Mix vieler Werbekunden etabliert, Media-Agenturen haben entsprechende Teams aufgebaut und können die Nachfrage nach Podcasts nicht nur besser bedienen, sondern auch steuern. Auch bei den großen Plattformen ist Podcast ein wichtiges Differenzierungskriterium, auch wenn der Markt sich hier im Vergleich zum Januar 2021 bereinigt (z.B. durch die Einstellung von Plattformen wie FYEO) bzw. durch Allianzen auf weniger Player reduziert (z.B. Audio Now und Deezer). Das heißt auch: die Budgets, neue tolle Formate auszuprobieren werden größer. Ich rechne damit, dass das Thema Fiction-Podcasts nochmal im größeren Stil ausprobiert wird oder ganz neue Genres, wie gleich zu Jahresanfang Spotifys Gameshow.  



Alexander Krawczyk, Senior Vice President bei Seven.One Audio

Der Podcastmarkt wird 2022 erwachsen. Auf Vermarktungsseite wird Ausspielung über AdServer und Reporting in AdImpressions anstatt IAB 2.0 zum Standard. Das schafft Transparenz, Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit und führt dazu dass immer mehr Werbekunden immer größere Budgets auf Podcasts planen. Produktionen werden professioneller und es wird viele Experimente mit neuen, aufwendigen Formaten geben. Und auch die Hörerschaft wird erwachsen. Neue Zielgruppen, besonders in den Altersgruppen über 40 und abseits der urbanen Zentren, werden Podcast für sich entdecken.



Maria Lorenz-Bokelberg, Gründerin und Geschäftsführerin von Pool Artists

Meine Prognosen sind immer Wunschlisten. Ich wünsche mir für 2022 und die Podcastbranche, dass wir größer werden und mehr Selbstbewusstsein haben. Das heißt für mich, dass Podcasten in Firmen, Verlagen, Redaktionen Vollzeitstellen sind und nicht on top realisiert werden müssen. Das heißt für mich, dass wir nicht nur Awards in unserer Bubble verleihen, sondern uns groß und laut und bunt feiern, damit die Menschen außerhalb der Branche mitfeiern wollen – think MTV-Music- und Movie-Awards in den 90ern. Das heißt für mich, dass fair bezahlt wird und nicht mit Kreativem, Rechten und Lizenzen umgegangen wird, wie mit lästigen Nachbarn. Das heißt für mich, dass wir mehr Celebrities haben, die durch Podcasts berühmt geworden sind, anstatt Podcasts, die durch Celebrities zu Ruhm kommen. Das heißt für mich, dass wir an Bundesfördertöpfe kommen und in globalen Competitions mitlaufen. Das heißt für mich, dass wir Podcast-Regisseur:innen verehren und auszeichnen und neue Werke von bestimmten Autor:innen oder Studios kaum erwarten können. Das heißt für mich, dass wir uns selbst als Branche und fixes Medium viel ernster nehmen und gleichzeitig nicht zu ernst. Das heißt für mich, dass wir eine Blockbuster-Szene und eine Indie-Szene schaffen. Das heißt für mich, dass wir Entertainment liefern, aber auch Information, Verlässlichkeit, Geschichten, Lösungen, Inspiration, Nachrichten und Zukunft innerhalb von Podcasts und an deren Peripherie. Das heißt für mich, dass wir unser eigenes »IMDB« bekommen, auf Covern landen und in Obamas Jahreslisten auftauchen.

Da ich weiß, dass die meisten in der Branche genauso verliebt in dieses Medium sind wie wir bei Pool Artists, bin ich guter Dinge, dass diese Liste schneller wahr wird als gedacht.



Hendrik Efert, Geschäftsführer von Viertausendhertz

Ich glaube, dass wir mehr aufwendig produzierte, serielle Formate hören werden. Gerade die großen Häuser, also Verlage, öffentlich-rechtliche und private Sender, werden sich mehr trauen als bisher. Die Hörer:innen werden immer mehr Auswahl haben. Deswegen werden die Produktionen die Nase vorn haben, die gleich mit einer guten Vermarktungsstrategie an den Start gehen. Denn die Frage, die in diesem Jahr ganz bestimmt NOCH wichtiger werden wird, lautet: Wie wird mein Podcast gefunden? Auch wird 2022 das Jahr interaktiver Podcasts sein, hier wird viel herumexperimentiert. Und nicht zuletzt hoffe ich persönlich immer noch auf DEN einen Fiction-Podcast, der alle »Squid Game«-mäßig umhauen wird.



Sebastian Romanus, Managing Director bei Podimo Deutschland

Inhaltlich war schon im vergangenen Jahr großes Interesse an den Themenbereichen Crime & Suspense und Entertainment zu spüren. Diese Entwicklung wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Parallel zu einem generell steigenden Interesse an Podcasts und einer wachsenden Hörer:innenschaft nimmt auch die Qualität der Podcast-Produktionen weiter zu. Hörerlebnisse werden zudem immer mehr durch Videos, also durch ein zusätzliches Seherlebnis, ergänzt: Der/die Hörer:in rückt näher an die Protagonisten:innen. Die Kombination aus Audio & Video ist das Trendthema aus unserer Sicht schlechthin.



Kristin Lissner, Business Lead bei Axel Springer Audio

Zunächst einmal hoffe ich, dass die Medienlandschaft endlich aufhört von einem Hype oder Boom zu sprechen, weil Podcasts spätestens 2021 bewiesen haben, dass sie ein Medium sind, das bleibt. 

Für 2022 sehe ich zwei inhaltliche Trends: 

  • Für uns als journalistisches Haus sind Storytelling-Formate natürlich besonders wichtig, aber auch der Markt zeigt, dass eine steigende Nachfrage an gut erzählten Geschichten da ist. Ein gutes Beispiel dafür war der Podcast »Cui Bono«, der ja sehr viral ging. Oder eben unserem eigenen Storytellig-Podcast der »Welt«: »Attentäter«. Der Vorteil von Audio ist, dass wir unsere Geschichten noch mal ganz anders erzählen können, als es bisher in Schriftform möglich war. 
  • Neben seriellen Podcasts, bin ich überzeugt, dass Shortform Audio immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sie machen neuen Hörer:innen den Zugang in die Podcast-Welt einfacher und schneller und Heavy User:innen, deren Zeit irgendwann begrenzt ist, können so eine noch größere Vielfalt an Podcast konsumieren. Außerdem eignet sich Shortform Audio aus meiner Sicht besonders gut für Wissenstransfer – egal ob tägliche Nachrichten oder kurze und prägnante Wissensstücke, die Antworten auf konkrete Fragen geben. Das zeigen ja auch Plattformen wie Spotify, die mit ihrer »Daily Drive«-Playlist Routinen bei deren User:innen etablieren, in die Shortform perfekt reinpasst. Sie erlauben den Produzenten auch, die Frequenz von Podcasts zu erhöhen und Dailys zu etablieren.

Abseits der inhaltlichen Trends gibt es drei weitere große Themen für 2022:

  • Da wir als Haus des Journalismus keine Host Read Ads anbieten, sondern nur Native Producer Read Ads, war die Umstellung auf einen AdServer Mitte 2020 nur logisch. Für mich gibt es quasi keine Alternative mehr zur AdServer basierten Werbe-Ausspielung. Gerade in Hinblick auf die riesigen Back-Kataloge, kann uns der AdServer in 2022 neue Potenziale aufzeigen. Technisch sind wir hier gut aufgestellt. Deswegen werden wir versuchen uns 2022 ein Stückchen weg von der reinen Einzel-Episoden-Buchung hin zur Buchung eines Umfelds oder eines kompletten Formats zu bewegen. Nur so schaffen wir es, auch den großen Back-Katalog zu monteraisieren. Bei einigen Kunden müssen wir dabei aber noch Überzeugungsarbeit leisten.
  • Ein Großteil der Reichweite wird über die großen Plattformen generiert. Für mich ist Auffindbarkeit mehr als nur in den Charts stattzufinden. Gerade bei Musik-Plattformen ist die Suche für Podcast-Creator:innen noch nicht perfekt. Hier erwarte ich Optimierungen seitens der Plattformen, aber auch größere Marketing-Kampagnen seitens der Creator:innen. 
  • Und im Zuge der Discoverbility wird 2022 auch das Jahr für »neue« Plattformen – zumindest im Bereich Podcast. Alle sprechen davon, aber kaum einer publiziert seine Inhalte konstant auf YouTube. Für mich wird YouTube als Plattform für Podcast auf dem deutschen Markt noch sehr unterschätzt. Außerdem wird Amazon Music weiterhin nachlegen – sowohl mit guten Placements als auch mit eigenen Originals. Da haben sie mit Wondery die besten Voraussetzungen. Und Facebook wird in diesem Jahr auch nochmal nachziehen, was die Integration von Podcasts angeht, sodass wir hier wahrscheinlich auch einen weiteren Distributionskanal für unseren Content erschließen könnten.   


Christian Bollert, Geschäftsführer von detektor.fm

Bei den Formaten bin ich mir sicher, dass wir in diesem Jahr noch mehr tägliche Podcasts sehen werden. Denn die hohe Frequenz und die damit verbundenen hohen Abrufzahlen sind für viele Produzentinnen und Produzenten gleich aus mehreren Gründen (Reichweite, Vermarktung) sehr verlockend. Spannend wird die Frage, wie innovativ und neuartig diese Formate sind. Denn bisher sind sich die täglichen Podcasts in Deutschland relativ ähnlich.

Auf dem deutschen Podcast-Markt wird das Jahr 2022 das entscheidende Jahr für die Professionalisierung und Standardisierung der Reichweitenmessung. Die angekündigte Premiere der »ma Podcast« ist der von vielen lang erwartete und geforderte Schritt, der erstmals eine Vergleichbarkeit verschiedener Podcasts erlauben wird. Bisher gibt es ja noch immer einen Wildwuchs an Statistiken und Abrufzahlen. Ich bin mir sicher, dass sich schon bald der Großteil der Werbekunden an der »ma Podcast« orientieren wird und allein deshalb noch mehr Anbieter teilnehmen werden. Denn bei aller Kritik, und auch wenn es auch dann aus verschiedenen Gründen immer noch keine verlässlichen Podcast-Charts gibt, es ist die bisher beste Option eine einheitliche Podcast-Währung zu schaffen. Sehr interessant wird zu beobachten, wie sich große Plattformen wie Spotify mit ihren Originals dazu verhalten.

Bei der Refinanzierung und der Vermarktung von Podcasts deutet sich auch eine spannende Debatte an. Denn offenbar wollen gleich mehrere öffentlich-rechtliche Sender ihre Podcasts auf Drittplattformen wie Apple Podcasts, Google Podcasts oder Spotify vermarkten. Demnach sollen die Podcasts in der ARD-Audiothek werbefrei bleiben und auf Drittplattformen mit Werbung versehen werden. Bis vor einigen Monaten sind noch alle öffentlich-rechtlichen Podcasts komplett werbefrei gewesen. Jetzt sehen wir schon die ersten zaghaften Versuche. Hier bin ich sehr gespannt auf die Reaktionen der privaten Medienhäuser, der zuständigen Aufsichtsbehörden und der Medienpolitik.



Khesrau Behroz, Gründer und Geschäftsführer von Undone

Wir glauben bei Undone an Storytelling mit journalistischem Rückgrat. Ich glaube, das werden wir 2022 vermehrt sehen: aufwendige Mini-Serien und mitreißende Geschichten, die top recherchiert sind und am Ende mehr erzählen als nur die Geschichte selbst. Podcasts, die uns dabei helfen, Sinn zu machen. Ich glaube, das ist ein großes Bedürfnis gerade: zu verstehen, was mit uns passiert, Zusammenhänge zu sehen. An dieser Front sehen wir uns. 
Neben »Cui Bono II« (mit unseren Kolleg:innen von Studio Bummens) arbeiten wir auch schon an der zweiten Staffel von »Noise« – und zwei, drei größeren Überraschungen, die wir noch ankündigen werden. Da ist viel Investigation dabei, aber auch das eine oder andere, das man von uns vielleicht nicht erwarten würde.



Vincent Kittmann, Geschäftsführer bei Podstars

Für 2022 erwarte ich noch mehr aufwändige Produktionen im Bereich Fiction, Dokumentationen oder Reportagen. Der Trend dazu war in 2021 schon sehr stark, aber wird sicher meiner Meinung nach 2022 nochmal verstärken. Zudem glaube ich, dass bereits erfolgreiche Formate, aber auch neue Formate in 2022 crossmedialer geplant und umgesetzt werden. Das bedeutet für mich Verlängerungen über TV/Streaming, Social Media oder weitere Kanäle. Im Bereich der Podcast-Werbung erwarte ich eine stärkere Automatisierung. Eine Entwicklung die den Markt für viele Werbetreibende zunehmend öffnen wird. Außerdem erhoffe ich mir für 2022 diversere Podcasts in den Top-Positionen der Charts! Und zu guter letzt erwarte ich für 2022 ein Comeback der »Lindenstraße« mit den den Top-Künstlern der »Modus Mio«-Playlist – natürlich als Podcast.

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Denise Fernholz

Schreibt für Podstars den Podcast-Newsletter MIXDOWN und versucht, möglichst viele Fotos ihrer Katzen Polly und Coco darin unterzubringen. (Klappt meistens.)

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