25.08.2023
Maren Papenbroock

Die Hörer*innen von morgen: Kinder als Podcast-Zielgruppe

Kinder Podcast

Als Kind habe ich »Bibi Blocksberg« geliebt. Ich erinnere mich noch an meinen Kassettenkoffer, in dem ich die Folgen einsortiert hatte. Zwischendrin entdecke man auch mal eine »Benjamin Blümchen«-Kassette oder »Die Drei ???«. Podcasts für Kinder gab es damals noch nicht. Wenn man die Definition von Podcasten etwas weiter fasst, könnte man fast behaupten, dass meine Schwester und ich schon damals Podcasterinnen waren: Es kam nicht selten vor, dass wir im Kinderzimmer auf dem Boden saßen und mit dem Kassettenrekorder uns selbst aufgenommen haben. Wir haben uns unterhalten, Witze erzählt und Lieder gesungen. Fertig war der »Podcast«. 

Heute haben die Kinder nicht nur bessere Technik, sondern auch eine viel größere Auswahl an Hörspielen und Podcasts, die auf sie zugeschnitten sind. 

Podcasting ist dieses Jahr 20 Jahre alt geworden, das bedeutet: Alle Kinder wachsen (mehr oder weniger) mit Podcasts auf. Kinder sind die Podcast-Hörer*innen von morgen. Aber nur weil es Podcasts gibt, heißt es ja nicht, dass sie diese auch kennen und hören. 

Kids Podcast Listener Report von Edison Research

Edison Research und Kids Listen haben im Juli 2023 eine Studie herausgegeben, die sich mit den Hörer*innen der Zukunft beschäftigt. Anhand dessen schauen wir uns mal an, wie viele Kinder schon Podcasts hören, wie sie auf neue Podcasts aufmerksam werden und was sie an dem Medium mögen. 

Vorab: Die Zahlen beziehen sich auf Kinder aus den USA. Nichtsdestotrotz sind die Zahlen auch für uns im deutschsprachigen Raum interessant. Trends aus den USA schwappen früher oder später auch zu uns rüber, sodass man erste Prognosen daraus ablesen kann. 

Grundlage der Befragung waren 1.272 Erwachsene, die mindestens ein Kind zwischen 6 und 12 Jahren haben. Im ersten Schritt wurden den Eltern Fragen über die Mediennutzung und den -konsum ihrer Kinder gestellt. Wenn ein Elternteil ein Kind im Alter von 6-12 Jahren hatte, das im letzten Monat einen Podcast gehört hat, wurde das Kind ebenfalls zu einer Befragung eingeladen. Die Interviews wurden mit den Eltern und Kindern gemeinsam durchgeführt, um die Perspektiven beider Seiten zu erfassen. 

Heraus kamen vier zentrale Thesen:

  1. Podcasts haben bereits eine große Reichweite bei Kindern
  2. Kinder sind engagierte Zuhörer*innen
  3. Podcasts fördert die Familienbindung
  4. Kinder sind die Hörer*innen der Zukunft

Podcasts haben bereits eine große Reichweite bei Kinder

Bereit für ein paar Zahlen? 63 % der Kinder zwischen 6 und 12 Jahren kennen Podcasts. 46% der Kinder haben schon einmal einen Podcast gehört. 29 % haben im letzten Monat einen Podcast gehört. 

Natürlich spielen auch die Eltern eine entscheidende Rolle: Unter denjenigen, deren Eltern monatlich Podcasts hören, haben 42 % der Kinder im letzten Monat einen Podcast gehört. 23 % der Kinder zwischen 6 und 12 Jahren haben in der letzten Woche einen Podcast gehört. 

➔ Podcasts sind bei Kindern schon angekommen – Luft nach oben ist natürlich immer. Um Kindern Podcasts näher zu bringen, spielen die Eltern eine große Rolle. Logisch: Wenn Eltern Podcasts hören, kommen auch ihre Kinder früher oder später in Kontakt mit dem Medium. 

Kinder sind engagierte Zuhörer*innen

25 % der monatlichen Podcast-Hörer*innen im Alter von 6-12 Jahren hören fast täglich Podcasts. Die Gründe dafür sind breit gefächert: Podcasthören macht Spaß, sagen 59 %. 52 % schätzen aber auch, dass man dabei andere Dinge machen kann. 48 % finden es toll, dass man Podcasts gemeinsam mit der Familie hören kann. 

Während in Deutschland bei den erwachsenen Podcast-Hörer*innen vor allem die Kategorien Nachrichten & Politik, Wissen und Gesellschaft & Kultur besonders beliebt sind, hören Kinder am liebsten Podcasts zum Thema Games (51 %), Musik (43 %) oder Comedy (39 %). Aber auch Kurzgeschichten (39%), Abenteuer (36%) oder Gute-Nacht-Geschichten (36%) kommen bei den 6- bis 12-Jährigen gut an. 

Für Kinder ist zu Hause für die meisten der Ort, an dem sie Podcasts hören, 89 % sagen, dass sie Podcasts dort hören. 68 % hören Podcasts im Auto, 35 %, wenn sie zu Fuß unterwegs sind, 30 % beim Bus- oder Bahnfahren und 29 % in der Schule.

Und jetzt mal zurück zu den Eltern: Dort geben 73 % an, dass Podcasts die Familien-Autofahrten spaßiger machen. Ähnlich viele (72 %) stimmen zu, dass ihre Kinder sich freuen, Podcasts zu hören. 

Dass man durch Podcasts etwas lernen kann, wissen wir bereits. Das zeigen auch nochmal die Ergebnisse der Umfrage: 94 % der Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren, die im letzten Monat einen Podcast gehört haben, sagen, dass sie durch Podcasts neue Dinge lernen. 

➔ Kinder sind wissbegierig und wollen unterhalten werden. Wenn sie sich langweilen, schalten sie schnell ab. Da der Spaß beim Podcasthören für die Kinder an oberster Stelle steht, sollten die Formate vor allem das bedienen. Auch, dass vor allem zu Hause Podcasts gehört werden, können Formate dementsprechend angepasst werden. Das kann man zum Beispiel gut mit dem Faktor der Wissensvermittlung kombinieren.

Podcasts fördern Familienbeziehungen

Während Podcasts für Erwachsene oft alleine gehört werden, wird bei Kindern Co-Listening großgeschrieben: So geben 69 % der Eltern an, dass ihre Kinder Podcasts mit anderen Leuten hören. Das sind vor allen die Eltern (68 %), Geschwister (54 %) oder Freunde (39 %). 

Den Eltern ist es wichtig, dass Kinder-Podcasts von der ganzen Familie gehört werden. Viele Eltern (71 %) sagen außerdem, dass es ihnen wichtig ist, dass der Podcasts Themen bietet, über die sie mit ihren Kindern diskutieren können. 

94 % der Kinder im Alter von 6-12 Jahren, die im letzten Monat einen Podcast gehört haben, sagen, dass sie gerne Podcasts mit ihrer Familie hören. 

➔ Spaß für die ganze Familie! Podcasts können super dafür eingesetzt werden, um von der ganzen Familie gehört zu werden. Eltern können Podcasts in ihren Alltag integrieren, den Kindern bei Bedarf etwas erklären und so gleichzeitig die Familienbindung stärken. 

Kinder sind die Hörer*innen der Zukunft

Wie schon erwähnt, wachsen die kommenden Generationen mit Podcasts auf und sind somit die Zielgruppe der Zukunft. Die Themen Barrierefreiheit, Discovery und Engagement spielen da eine zentrale Rolle. 

Podcasts als Alltagsbeleiter: Unter den Eltern von Kindern im Alter von 6-12 Jahren, die im letzten Monat keine Podcasts gehört haben, sagen 60%, dass ihre Kinder an Podcasts interessiert sein könnten, wenn sie leicht in den Tagesablauf ihrer Kinder passen würden.

Vor allem durch die Eltern werden Kinder an Podcasts herangeführt. Auch YouTube und Social Media, aber auch die Schule spielen eine zentrale Rolle. 

Aber was ist eigentlich mit den Nicht-Hörer*innen? Eltern, deren Kinder im letzten Monat keinen Podcast gehört haben, gaben an, dass ihre Kinder lieber etwas anschauen, als es nur zu hören (48 %), oder, dass Podcasts nicht interaktiv genug sind (24 %). 21 % sagen auch, dass ihre Kinder nicht die benötige Aufmerksamkeitsspanne haben, um einem Podcast zu folgen (21 %).

➔ Was kann man also machen, um die Kinder zu überzeugen? Die Folgen sollten nicht zu lang sein. Sie könnten auch interaktive Elemente enthalten. Das kann von Mitsingen oder Rätseln bis hin zu Voice-Messages oder Einsendungen per Mail sein, die im Podcast besprochen werden. 

Die monatlichen Podcast-Hörer der Generation Z, die schon als Kind angefangen haben, Podcasts zu hören, verbringen durchschnittlich 3 Stunden mehr pro Woche mit Podcasts als diejenigen, die erst später damit angefangen haben. Also, besser jetzt mit dem Podcasthören starten als später!

Werben in Kinder-Podcasts 

Podcastwerbung ist die, die niemals nervt. Natürlich ist es für Werbetreibende interessant, wie sie die junge Zielgruppe erreichen. Hier sollten vor allem Produkte beworben werden, die zur Zielgruppe passen. Natürlich sollte die Werbung gekennzeichnet sein und als diese zu verstehen sein. Da viele Kinder mit ihren Eltern gemeinsam Podcasts hören, kann man auch mithilfe von Werbung an die Eltern appellieren und etwas bewerben. 

Wo können Kinder Podcasts finden? 

Kinder können Podcasts über dieselben Plattformen hören wie ihre Eltern: Auf Spotify, Apple Podcasts oder auf YouTube. Um aber sicher zu stellen, dass die Inhalte, die sie konsumieren, auch kindgerecht sind, gibt es Anbieter oder Plattformen, die sich auf Kinder spezialisiert haben: 

  • ARD: In der ARD Audiothek gibt es einen eigenen Kids-Bereich. Hier können Kinder Podcasts nach Rubriken finden. Außerdem können sie auswählen, wie lang die Folgen sein sollen, die sie hören möchten. Auch Podcasts, die besonders empfehlenswert oder neu sind, werden in den Podcast-Charts aufgelistet. 
  • Spotify for Kids: Spotify-Abonnent*innen aufgepasst! Mit Spotify Kids können Kinder ausgewählte kinderfreundliche Audioinhalte genießen, darunter Musik, Hörbücher und Podcasts. Das Angebot ist im Spotify Premium Family Abo enthalten. 
  • Spezielle Apps: 
    • Ein weiterer Lifehack für Eltern sind spezielle Podcast-Apps für Kinder. KidsPod ist eine davon. Die App richtet sich speziell an Kinder zwischen 3 und 13 Jahren. KidsPod Co. gründete sich aus einem Kreis von Eltern, die unzufrieden mit dem bisherigen Angebot und Zugang zu Kinder-Podcasts waren. Das Unternehmen teilt mit, dass es sich um die allererste App handele, die über 300 Podcasts für Kinder »visuell, intuitiv und sicher« ausspiele. Das Angebot der App beschränkt sich allerdings auf englischsprachige Podcasts, bietet aber neben Podcasts noch weitere Features: individuelle Benutzerprofile, eine Favoritenbibliothek, Offline-Hören, die Erstellung von Wiedergabelisten und eine der innovativsten Funktionen: ein In-App-Malbuch.
    • Eine ähnliche App gibt es aber auch auf Deutsch: Hearooz ist eine Podcast-App speziell für Kids. Bei der Gratis-Version haben die Kinder Zugriff auf alle freien Inhalte und können einen Account nutzen. Bei den Aboversionen können die Kinder außerdem offline hören und bis zu drei Accounts erstellen. Die Playlists sind speziell nach Themen oder Altersempfehlung sortiert. 
  • Tonie-Box: Viele Eltern kennen sicher die beliebten Tonie-Boxes, mit denen sich verschiedene Audioinhalte mithilfe von kleinen Figuren abspielen lassen kann. Und jetzt hat die Audioplattform Tonies eine Erweiterung angekündigt: Sie testen einen Storygenerator, der mittels KI Geschichten für Kinder schreibt. Anhand von Stichworten zu Plot und Charakteren, die vorher festgelegt werden können, entwickelt dieser Generator über eine Schnittstelle mit ChatGPT ein Skript, was danach per Text-to-Speech vertont wird. Das Endergebnis könne dann direkt auf der firmeneigenen Hardware, der Toniebox, ausgespielt werden.

Fazit: Kinder als neue Podcast-Zielgruppe:

Kinder sind die Zukunft – nicht nur für die Podcastbranche. Genau für die lohnt es sich, Kinder als Zielgruppe mitzudenken. Podcasts sind bei den Kids (zumindest in den USA) schon angekommen. Auch hier in Deutschland gibt es spezielle Inhalte nur für Kinder. Besonders die Eltern spielen eine große Rolle, denn sie sind es in erster Linie, die ihre Kinder an das Medium heranführen.

Podcasts bieten Kindern eine tolle Möglichkeit, etwas Neues zu lernen und dabei Spaß zu haben. Durch ihre Neugier und Wissbegierde sind Kinder eine tolle Zielgruppe, die man mit Podcasts erreichen kann.


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Maren Papenbroock

Podcasts hören und darüber schreiben? Traumjob! Maren ist Redakteurin bei Podstars by OMR, ihre Texte sind auf dem Blog und im MIXDOWN-Newsletter zu lesen.

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