27.06.2022
Denise Fernholz

Katrin Bauerfeind, warum braucht es noch einen Laber-Podcast?

Interview mit Katrin Bauerfeind über ihren Podcast "Bauerfeind + Kuttner"

Wenn ich mir die Liste der Podcasts, die ich jede Woche höre, so angucke, muss ich gestehen: Ich bin Mainstream. Alle sind Laber-Podcasts. Die Sorte, von denen es laut Meinungen da draußen schon viel zu viele gibt. Da muss ich anmerken: Einen meiner Lieblings-Laber-Podcasts gibt es seit 2020, einen anderen seit 2021 und den neusten erst seit ein paar Wochen. Es kommt also durchschnittlich ein neuer pro Jahr dazu. Damit meine Statistik so schön bleibt, brauche ich regelmäßig Nachschub!

Um das Rätsel zu lösen, um welche Podcasts es sich handelt: »Drinnies«, »Zum Scheitern verurteilt« und »Bauerfeind + Kuttner«. Ja, letzterer ist noch ganz frisch. Als ich gelesen habe, dass zwei Frauen, die ich sehr verehre – Katrin Bauerfeind und Sarah Kuttner – ZUSAMMEN einen Podcast machen, war ich ganz aus dem Häuschen. Und habe sofort gefragt, ob wir nicht mal darüber sprechen können, wie es dazu gekommen ist. Katrin hatte glücklicherweise Zeit. Im Interview erzählt sie, worum es in ihrem Podcast geht, wie es ist, wenn man mit einer Freundin vorm Mikro sitzt – und warum wir das Wort »Frauen-Podcast« aus unserem Wortschatz streichen sollten.

Interview mit Katrin Bauerfeind über ihren Podcast »Bauerfeind + Kuttner«

Beschreib doch mal euer Podcastkonzept in einem Satz.

Katrin: Wir müssen nochmal pitchen? (lacht) Unser Konzept ist genial, einfach und umfassend: Wir sprechen einmal in der Woche über alles.

Ich frage das immer ganz gerne bei so klassischen »Laber-Formaten«, weil natürlich immer die Frage kommt – und ich kann es selbst nicht mehr hören – »Braucht denn jetzt wirklich jeder einen Podcast?« Meiner Meinung nach ja. Aber hattet ihr ein bisschen Angst vor den Reaktionen oder wie war das Feedback bisher so?

Katrin: Ich kann auf jeden Fall sagen, dass man auf uns zugekommen ist, mit der Idee, einen Podcast mit zwei Frauen zu machen, weil es da anscheinend immer noch einen Mangel gibt.

Absolut.

Katrin: Wir dachten: Der Podcast-Himmel hängt doch schon voller Sterne. Wie kann es sein, dass da noch etwas fehlt? Wir waren uns dann aber recht schnell einig, dass wir da eventuelle Lücken gern schließen würden. Also haben wir jetzt einen Laber-Podcasts, wie man so sagt. Was jetzt nicht heißt, dass wir keine Themen haben. In der ersten Sendung besprechen wir Druck und wie man damit umgeht, aber auch Scham, Überfluss oder Scheitern könnten bald Thema sein. Und Platz für Aktuelles braucht es auch. Eben alles, was uns im Leben beschäftigt. Also, das sind doch wirklich ausreichend Gründe, warum grade wir noch gefehlt haben.

Ich muss auch sagen, ich habe mich sehr gefreut, dass ausgerechnet ihr beiden einen Podcast zusammen macht, weil ich Fan von euch beiden bin.

Katrin: Das Lustige ist, wir kennen uns ewig und wollten schon vor Jahren einen Podcast machen. Damals hat sich’s verlaufen, diesmal lief alles reibungslos und sollte wahrscheinlich einfach so sein. Jetzt haben wir allerdings festgestellt, wie unterschiedlich wir sind. Man kann eigentlich mit großer Sicherheit sagen, wenn Sarah den einen Standpunkt vertritt, bin ich gegenteiliger Meinung. Die andere Weltsicht macht es sehr spannend.

Ihr sprecht ja auch in der ersten Folge darüber, dass das eine gute Gelegenheit ist, sich endlich mal richtig kennenzulernen. Das ist lustig, in der ersten Folge des Podcasts von Freddy Lau und Kida Ramadan, sagen die beiden was Ähnliches. Da hat sich für mich die Frage gestellt: Sind Podcasts die neue Freundschaftstherapie, also eine gute Gelegenheit regelmäßig mit seinen Freund*innen zu sprechen?

Katrin: Freddy und Kida hängen ja privat tatsächlich viel rum, Sarah und ich quasi nie. Wir sind der Medien-Klassiker: Sich einmal im Jahr treffen und dann sagen ach, herrlich, das sollten wir unbedingt mal öfter machen. Es dann aber konsequent nie tun. Mit dem Podcast haben wir jetzt ein Date, weil ohne Druck geht’s ja oft nicht – womit wir wieder beim Thema der ersten Folge sind. Und jetzt schauen wir mal – weil wir ja so unterschiedlich sind – ob daraus eine innige Abhäng-Freundschaft wird oder ob wir auf getrennten Schollen in unterschiedliche Richtungen schwimmen. (lacht)

Wo ihr beide einer Meinung wart, war dieses Mittelmäßigsein – dass das manchmal einfach reicht. Das fand ich sehr sympathisch.

Katrin: Da hat man ja am Ende keine andere Wahl. Und jetzt zurück zu deiner Feedback-Frage am Anfang, da bin ich bislang nicht zu gekommen: Mich haben fast nur positive Nachrichten erreicht und sind bei Apple auf 1 eingestiegen. Vielleicht hatten die Leute tatsächlich auch das Gefühl, dieser Baustein hat im Podcast-Game noch gefehlt.

Was glaubst du, warum die deutsche Podcast-Szene so männerdominiert ist?

Katrin: Ich frage mich auch, warum es immer noch so ist. Männer sind ja in fast allen Bereichen stärker vertreten, offensichtlich auch bei Podcasts. Ich hoffe jedenfalls, dass wir dazu beitragen können darauf aufmerksam zu machen, dass Podcasts auch für Frauen eine ganz gute Option sind.

In eurem Pressetext steht: »Endlich ein Frauen-Podcast, in dem es um mehr als Sex, Kinder und Menstruation geht.« Was glaubst du, warum sich viele Frauen-Podcasts so auf das Frausein beschränken und über Themen sprechen, die klischeehaft Frauen zugeschrieben werden?

Katrin: Sicherlich interessieren sie sich auch für diese Themen. Oft werden diese Frauen-Themen aber eher Frauen-Podcasts zugeordnet, weil man denkt, Frauen reden vielleicht über nix anderes als Frauen-Dinge. Das ist natürlich Quatsch und darauf wollten wir nochmal aufmerksam machen. Jemand hat geschrieben, es wäre eben ein Frauen-Podcast. Ich habe im Gegensatz dazu noch nie jemanden von Männer-Podcasts erzählen hören. Wenn Männer es machen, fühlen sich auch Frauen als Zielgruppe, bei zwei Frauen fragen sich Männer anscheinend oft, ob dann überhaupt was für sie dabei ist. Es ist einfach ein Podcast. Wir wollen ja weg davon, dass die Frauen nochmal so ausgestellt werden und haben es deswegen nochmal bewusst ausgestellt.

Ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum Männer-Podcasts oft so erfolgreich sind: Weil sie von beiden Geschlechtern gehört werden. Bei einem Podcast mit zwei Frauen denken viele Männer an einen »Frauen-Podcast« und trauen sich dann vielleicht nicht, ihn zu hören. Aber, anderes Thema: Wie sieht eure Vorbereitung auf eine Folge aus? Habt ihr immer ein Vorgespräch oder macht ihr vorher Themen fest in einem Redaktionsplan oder so?

Katrin: Wir beobachten aufmerksam innerhalb der Woche, was so passiert und dann machen wir es so, dass im Wechsel eine von uns ein Überthema mitbringt, so wie Sarah den Druck in Folge 1. Darüber tauschen wir uns kurz aus. Wir haben festgestellt, dass die Vorgespräche nur mäßig sinnvoll sind, weil wir sonst unser Pulver schon verschießen und man dann Gefahr läuft ein Telefonat nachzustellen, statt einfach miteinander zu reden.

Das ist tatsächlich das, was ich mir so schwer vorstelle: Auf der einen Seite ist es ja ein Gespräch mit einer Freundin und auf der anderen Seite kann man sich ja nicht nur noch sprechen, wenn ein Mikro an ist.

Katrin: Wir sprechen jetzt nur noch beruflich. Vielleicht sitzen wir in einem Jahr wieder irgendwo und sagen, wir sollten mal öfter privat reden, weil wir da jetzt wegen des Podcasts nicht mehr dazu kommen. (lacht)

Ich fand vor allem in der ersten Folge bewundernswert, dass Sarah oft kein Blatt vor den Mund nimmt. Da sind ja auch ein paar Namen gefallen von Kolleg*innen. Habt ihr Angst, dass das auch mal nach hinten losgehen könnte?

Katrin: Das muss Sarah beantworten. Ich habe vorsichtshalber erstmal keine Namen erwähnt.

Das stelle ich mir immer krass vor, wenn man im Podcast so eine freundschaftliche Beziehung hat und dann vielleicht auch mal was sagt, bei dem man hinterher denkt: »Vielleicht hätte ich das lieber nicht sagen sollen.«

Katrin: Das ist das Prinzip, eine Stunde ungefiltert reden. Aber von der Grübelei muss man sich frei machen, sonst kann man so ein Format gar nicht bedienen. Im Notfall muss man schneiden.

Wie sieht eure Ausnahmesituation aus? Sitzt ihr euch gegenüber oder macht ihr das remote?

Katrin: Wir sitzen uns gegenüber in einem Studio in Berlin. Jede hat einen Lieblingsplatz, zwei Kaffee. Wir sind da schon recht eingespielt. Wenn wir uns nicht mehr sehen können, gehen wir auf remote.

Welche Podcasts hörst du privat gerne?

Katrin: Ich weiß oft gar nicht, wann ich noch einen Podcast hören sollte. Außerdem rede ich selber so viel, ich brauch auch einfach mal meine Ruhe. Aber wenn, dann versuch ich so zu hören, dass man alles mal mitkriegt: bisschen Krimi, bisschen was von den Männern, bisschen was mit Wissen.

Und was können wir in der Zukunft von »Bauerfeind + Kuttner« noch erwarten?

Katrin: Nur das Allerbeste.

Foto von Katrin Bauerfeind:  © Marco Justus Schöler

Bauerfeind + Kuttner Podcast Cover
Jeden Donnerstag erscheint eine neue Folge »Bauerfeind + Kuttner« – überall, wo es Podcasts gibt!

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Denise Fernholz

Schreibt für Podstars den Podcast-Newsletter MIXDOWN und versucht, möglichst viele Fotos ihrer Katzen Polly und Coco darin unterzubringen. (Klappt meistens.)

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