24.11.2021
Denise Fernholz

Laura Larsson, wie war es, nach »Herrengedeck« zurückzukommen?

Ich hatte schon viele tolle Interviews. Mit Promis, mit Menschen aus der selben Branche und solchen, die ich persönlich sehr bewundere. Aber noch nie habe ich mich dabei so inspiriert gefühlt, wie in meinem Videocall mit Laura Larsson. Meistens fühlen sich die Gespräche, die ich führe, wie ein Business-Call an (weil sie das eben sind), aber dieses war irgendwie anders. An manchen Stellen sind wir so abgedriftet, dass es eher in Richtung Austausch als Interview ging. Deswegen musste ich beim Transkribieren auch viel wegkürzen – aber ich kam noch nie so beseelt aus der Telefonkabine bei uns im Büro.

Wir haben über die Anfänge und das Ende von »Herrengedeck« gesprochen, über Relatability und darüber, wie es sich anfühlt, wenn man nach einem so erfolgreichen Podcast mit einem neuen zurückkommt. (Den ich übrigens sehr empfehlen kann: »Zum Scheitern verurteilt«. Er ist mittlerweile zu einem meiner Lieblingsformate geworden.)

Interview mit Laura Larsson über »Herrengedeck« und »Zum Scheitern verurteilt«

Du arbeitest ja sowohl als Podcasterin als auch als Radiomoderatorin. Worin unterscheiden sich die beiden Jobs am meisten?

Laura: Hauptsächlich unterscheiden sie sich in der Länge, denn die Geschichten, die man erzählt, sind eigentlich die gleichen. Im Radio gibt es die vorgegebene Moderationszeit und die Hörer:innen warten auf Musik oder Nachrichten. Darin liegt die Schwierigkeit, aber auch die Herausforderung, Geschichten kurz und knackig zusammenzufassen, ohne dass etwas Wichtiges verloren geht. Beim Podcast ist es genau das Gegenteil, man hat alle Zeit der Welt – aber muss sie trotzdem so gut nutzen, dass die Story nicht langweilig wird.

Wie hat dich der Job als Radiomoderatorin aufs Podcasten vorbereitet?

Laura: Viele Leute haben so eine Mikrofon-Phobie, zumindest ging es mir früher so, bevor ich im Radio gearbeitet habe. Als ich die ersten Male meine eigene Stimme gehört habe, dachte ich noch: »So klinge ich? Das ist ja furchtbar!« Mit der eigenen Stimme klarkommen, wie man richtig ins Mikrofon spricht, so ein bisschen dieses Technische oder Gefühlige, das ich im Radio gelernt habe, hat mir geholfen. Aber natürlich auch das Sprechtraining im Volo. Ich glaube, ohne Radio hätte ich es nicht hinbekommen, einen ordentlichen Podcast zu machen. Das heißt aber nicht, dass jeder Mensch, der einen Podcast machen will, ein Volontariat braucht. Aber schaden kann es definitiv nicht.

Wenn du dich zurückerinnerst an den Anfang von »Herrengedeck« – wie habt ihr es geschafft, dass der Podcast bekannt geworden ist?

Laura: Das frage ich mich manchmal auch. Ich muss gestehen, dass wir uns promomäßig oder marketingmäßig gar keine Gedanken gemacht haben. Aber wir hatten den großen Vorteil, mit dem Podcast in einer Zeit angefangen zu haben, als es noch ganz wenige gab. Deswegen hatten wir gute Karten. Ich weiß, dass uns damals ein paar Leute mit Reichweite gehört und auf YouTube auf uns aufmerksam gemacht haben. Wir haben auch mal so Crossover-Folgen gemacht, also uns mit anderen Podcaster:innen zusammengetan. Aber wir hatten gar kein Konzept dahinter.

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als aus Hörer:innen so richtige Fans geworden sind?

Laura: Mir persönlich bleibt in Erinnerung, als es unseren Podcast ein Jahr gab und wir eine Live-Show gemacht haben in Berlin. Im Backstagebereich hat eine Freundin Ariana und mir Fotos gezeigt, dass draußen eine Schlange steht. Wir wussten zwar, wir haben die Show ausverkauft, aber es war noch so surreal. Der Moment, als wir auf der Bühne standen und da Leute gejubelt und geklatscht haben – da habe ich das zum ersten Mal realisiert.

Ihr habt ja quasi am Höhepunkt eures Podcasts Schluss gemacht, weil irgendwie die Luft raus war. Wie habt ihr es geschafft, den richtigen Absprung zu finden? Und wieso schaffen das so viele andere nicht? Das kennt man ja von Serien, dass noch zig Staffeln produziert werden, obwohl die Geschichte eigentlich auserzählt ist. 

Laura: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass diesen Part eher Ariana übernommen hat. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich auf jeden Fall noch weitergemacht. Deswegen habe ich darauf keine richtige Antwort, weil ich gar nicht weiß, ob ich den Absprung alleine in der Form geschafft hätte, weil es sich für mich eigentlich noch gut angefühlt hat. Und ich glaube auch nicht, dass, wenn wir weitergemacht hätten, die Folgen komisch geworden wären. Aber klar, alles hat irgendwann ein Ende. Ich glaube, Ariana hat in einer Folge gesagt, es ist ein bisschen so, als würde man die Party verlassen, wenn noch nicht überall Kotze liegt, sondern sie noch richtig gut ist. Dann geht man mit einem guten Gefühl schlafen. Das finde ich ein sehr schönes Bild. Das habe ich aber auch erst ein bisschen später verstanden.

Wie ist denn das Konzept zu »Zum Scheitern verurteilt« entstanden?

Laura: Simon und ich kennen uns vom Radio. Wir haben eine Sendung zusammen moderiert, immer sonntags von 6 bis 12 bei Radio Fritz, also eine super tolle Zeit. (lacht) Da wussten wir, wenn wir so früh morgens aufeinander hocken können, dann klappt auch alles andere. Es kam ganz automatisch, dass wir die sechs Stunden der Sendung dann dafür genutzt haben, um unsere persönliche Woche Revue passieren zu lassen. Das war gar kein richtiges Konzept, das ist einfach so passiert. Und wir haben dann beide gemerkt, dass wir immer erzählen, was in der Woche mal wieder nicht geklappt hat. Egal, ob Simon 10.000 Schritte am Tag im Lockdown spazieren gehen wollte oder ich versucht habe, vegan zu leben. Alle möglichen Vorsätze, die man sich so macht. Als wir von Fritz zu 1LIVE gewechselt sind, haben wir uns gesagt: Lass uns einen Podcast zusammen machen. Wir mussten eigentlich nur dieses Konzept – was gar kein richtiges Konzept war – von Radio Fritz mitnehmen.

Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zur Umsetzung?

Laura: Das ging relativ schnell. Ich glaube, Ariana hat mit mir über das Podcast-Ende Anfang Sommer gesprochen. Danach bin ich verreist und habe ich mir erst mal ein bisschen Zeit genommen, weil ich traurig war und nachdenken musste. Parallel zum Ende von »Herrengedeck« habe ich dann noch den Job gewechselt zu 1LIVE nach Köln. Das war eine ganz komische Umbruchphase, die irgendwie traurig war und gleichzeitig auch gut. Aber ich musste das erst mal so kleines bisschen verarbeiten, überlegen, was passiert: Ziehen wir nach Köln? Und was wird mit dem Podcasten? Ich vermisse das irgendwie, ich will gerne weitermachen. Also habe ich Simon gefragt, ob wir nicht zusammen einen Podcast machen wollen. Das ging dann recht flott Ende Sommer. Im Herbst haben wir gesagt: Okay, jetzt machen wir das!

Wie hat sich das angefühlt, nach »Herrengedeck« wieder zurückzukommen? Hattest du Angst?

Laura: Ich hatte richtig, richtig doll Angst. Wirklich. Als wir die erste Folge aufgenommen haben, hat es sich total gut angefühlt. Es war ja auch nicht fremd, weil wir schon zusammen moderiert haben. Als wir dann ein Fotoshooting hatten und uns überlegt haben, wie wir das ankündigen – da habe ich dann schon ein bisschen Schiss bekommen. Ich hatte damit gerechnet, dass da Leute keinen Bock drauf haben oder es mit »Herrengedeck« vergleichen. Tatsächlich habe ich nur eine einzige Nachricht bekommen, die so war. Alle anderen waren super positiv und haben Simon direkt mit aufgenommen.

Was macht für dich einen guten Laber-Podcast aus?

Laura: Mir fällt leider gerade kein deutsches Wort dafür ein – aber, wenn er relatable ist. Ich finde das anstrengend, zwei oder drei Leuten zuzuhören, die sich im Prinzip die ganze Zeit selbst beweihräuchern. Ich will mich danach nicht schlechter fühlen als vorher, sondern im besten Fall besser. So ein bisschen, als würde man sich mit einem Bekannten oder so treffen. So ein gutes Gespräch, weil man auf einer Wellenlänge ist. Dann geht man mit einem guten Gefühl nach Hause und fühlt sich empowered. Wenn man jemanden trifft, der toxisch ist oder einem ein schlechtes Gefühl gibt, weil er vorgibt, besser zu sein als man selbst, dann geht man mit einem schlechten Gefühl nach Hause. Ich finde, so ist auch ein bisschen bei Podcasts.

Wie bereitest du dich auf eine Folge vor? Machst du dir über die Woche so eine Liste oder sowas?

Laura: Ja, ich mache mir Notizen am Handy, wenn mir mal wieder so ein typischer Fall einfällt. Oder auch, wenn eine Nachricht reinkommt, die ich vorlesen will. Dann setze ich mich so eine Stunde vor der Aufnahme hin und sortiere, was ich davon in der Folge erzählen will. Und am Ende des Tages wird nichts von diesen Notizen benutzt. (lacht) Wenn ich alle im Gespräch verloren habe, ist das ein gutes Zeichen.

Welchen Rat hättest du deinem Vergangenheits-Ich aus der Zeit gegeben, als du als Podcasterin angefangen hast?

Laura: »Nimm Feedback nicht persönlich.« Wenn man keinen Wissenschafts- oder True Crime-Podcast hat, bei dem es um Fakten geht, sondern um einen selbst, macht man sich verwundbar, weil man etwas von sich preisgibt. Das kann schon verletzend sein, wenn dir jemand irgendwas ferndiagnostiziert oder dir sagen will, du hast da falsch gefühlt. Es fällt mir heute immer noch schwer, mich darüber nicht zu sehr aufzuregen. Aber es ist besser geworden.

Ist das auch ein Tipp, den du Newcomer:innen geben würdest?

Laura: Ja, wobei ich sagen muss, es gibt natürlich auch gutes, konstruktives Feedback, das einen weiterbringen kann. Es klingt immer total bescheuert, aber der beste Tipp ist: einfach machen. Egal wie viele Leute zuhören, weil man dadurch wächst und besser wird. Erzähl Geschichten, nimm dich selbst auf, lerne zu ertragen, wie sich deine Stimme anhört. Wenn man eine Sängerin fragt, wie man Sängerin wird, dann sagt sie wahrscheinlich auch einfach: »Sing!«

Foto von Laura Larsson: © Philipp Gladsome

»Zum Scheitern verurteilt« von Laura Larsson und Simon Dömer erscheint immer sonntags – überall wo es Podcasts gibt.

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Denise Fernholz

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