12.07.2023
Maren Papenbroock

Vom Podcast zur Illustration: Interview mit Lina Ernst zu »Gemaltes Hack«

Lina Ernst Gemaltes Hack

Ich würde mich schon als »Hacki« bezeichnen. Das sind all diejenigen, die gerne »Gemischtes Hack« mögen – nicht zum Essen, sondern zum Hören. Der Podcast »Gemischtes Hack« mit Comedian Felix Lobrecht und Autor Tommi Schmitt erscheint seit September 2017 jeden Mittwoch (»Mittwoch ist und bleibt Hacktag.«) und zählt zu den erfolgreichsten Podcasts Deutschlands. »Gemischtes Hack« verzeichnet etwa 1,1 Millionen wöchentliche Hörer*innen. Erst im Frühjahr verkündete Spotify die 500 Millionen Streams von »Gemisches Hack«. Und es wird noch besser: Auf der Jahreshitliste 2019 des Streaming-Anbieters Spotify belegte der Podcast Platz 3 der meist gestreamten Podcasts weltweit (!).

Ein ebenfalls erfolgreicher Podcast ist »Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood« mit Bill und Tom Kaulitz. Seit September 2021 plaudern die beiden aus dem Nähkästchen und geben den Hörer*innen intime Einblicke in ihr Leben. Ein absolutes Highlight war mein Interview mit den beiden, das ihr hier lesen könnt.

So, jetzt fragt ihr euch vielleicht, was »Gemischtes Hack« und »Kaulitz Hills« gemeinsam haben – außer, dass beide Podcasts sehr erfolgreich sind.
Wer auf Instagram unterwegs ist und die Podcasts regelmäßig verfolgt, ahnt vielleicht, wovon ich spreche. Für beide Podcasts gibt es eine Insta-Page, auf der die Folgen der Podcasts illustriert werden: »Gemaltes Hack« und »Gemalter Senf«. Dahinter steckt die Illustratorin Lina Ernst, die seit 2019 jede Folge von »Gemischtes Hack« illustriert. 2023 kam dann noch »Gemalter Senf« dazu.

Ich habe mich gefragt: Wie kommt man auf so eine Idee? Wie schafft man es, Woche für Woche eine Illustration zu den Podcasts zu zeichnen? Und wie schafft man es dann noch, fast 120.000 Follower*innen auf Instagram zu bekommen?
All diese Fragen konnte ich Lina selbst im Interview stellen. Sie hat mir außerdem verraten, was sie in Zukunft sonst noch so plant und wieso sie eigentlich kein krasser »Hacki« ist.

Interview mit Lina Ernst zu »Gemaltes Hack« und »Gemalter Senf«

Wie bist du auf die Idee gekommen, die Folgen von »Gemischtes Hack« zu visualisieren?

Lina: Das fing nach meinem Studium an. Ich habe Illustrationsdesign studiert und das Fach Graphic Recording, wo man Prozesse mitzeichnet, hat mich begeistert. Nach dem Studium wollte ich das gerne weiter trainieren. Ich war kein eingefleischter Hacki, aber die Leichtigkeit und der Witz von »Gemischtes Hack« eignete sich gut zum Zeichnen. Ich habe angefangen, die Folgen mit Stift und Papier zu visualisieren und das Wichtigste und Lustigste in Bildern zusammenzufassen. Damals habe ich die auf meinem eigenen Instagram-Account gepostet, bis jemand meinte, ich solle doch einen eigenen Account dafür einrichten. So kam es zu »Gemaltes Hack«.

Wie schnell ging der Account dann durch die Decke? So ein Account muss sich ja irgendwie verbreiten.

Lina: Der Account ist relativ schnell gewachsen. Ich denke, dass die Leute zuerst durch Hashtags drauf gekommen sind. Der Account hatte noch keine 1.000 Follower – was für mich damals schon eine unglaublich große Zahl war – da hat Felix Lobrecht ein Bild repostet. Er hatte damals, glaube ich, um die 500-600.000 Follower. Der nächste große Push kam, als Felix und Tommi mich zum ersten Mal im Podcast erwähnt und sogar ein bisschen ausführlicher über die Zeichnungen gesprochen haben.

Wie war der Moment für dich, als die beiden im Podcast über dich gesprochen haben?

Lina: Ich habe mich tierisch gefreut. Für mich waren es richtige Gänsehaut-Momente, weil ich wusste, dass sehr viele Leute den Podcast hören. Ich war sehr gerührt und stolz, dass meine Arbeit gesehen wird. Aus den Snippets, in denen sie mich erwähnt haben, habe ich wiederum illustrierte Reels gebastelt.

Wie sind die beiden auf dich aufmerksam geworden?

Lina: Ich habe Tommi Schmitt und Felix Lobrecht auf den Bildern auf Instagram verlinkt, bis Felix es irgendwann gesehen hat. Das ist ja auch ein totaler Zufall. Die werden wahrscheinlich täglich von Hunderten Leuten verlinkt.

Den Account hast du jetzt seit 2019. Außer dass du viel mehr Follower bekommen hast – was hat sich seitdem verändert?

Lina: Ich bin als Illustratorin in der Zeit komplett selbstständig geworden. Davor hatte ich auch Aufträge, aber hatte noch einen Job in einer Bar. Den konnte ich vor zwei Jahren kündigen und mich vollständig auf meine Selbstständigkeit konzentrieren. Es haben sich viele Aufträge dadurch ergeben, dass in den Marketingabteilungen von verschiedenen Firmen ein Hacki sitzt, der meinem Account »Gemaltes Hack« folgt. Die Aufträge wurden immer mehr und ich bin ganz dankbar, dass das von alleine passiert ist. Mittlerweile hat der Instagram-Account 118.000 Follower und es ist toll, dass ich dadurch Aufträge bekomme. Das ist auch eine Motivation, jede Woche weiterzumachen. Seit 2019 habe ich keine Folge ausgelassen.


»Es haben sich viele Aufträge dadurch ergeben, dass in den Marketingabteilungen von verschiedenen Firmen ein Hacki sitzt, der meinem Account ›Gemaltes Hack‹ folgt.«

Lina Ernst


Am Anfang hast du noch mit Stift und Papier gemalt. Wie sieht das jetzt aus?

Lina: Über die letzten Jahre hat sich das Equipment geändert, als ich mit Illustration Geld verdient habe und für bestimmte Jobs wie Live-Zeichnen und Live Graphic Recording ein iPad brauchte. Seitdem illustriere ich alles am iPad, was es für mich deutlich erleichtert. Insgesamt ist es für die optische Entwicklung gut gewesen, auch wenn es am Anfang eine schöne Herausforderung mit Papier und Stift war. Man sieht einen deutlichen Unterschied zwischen den ersten Posts und den späteren. Ich benutze mittlerweile immer ähnliche Farben und Hintergründe. Am iPad kann ich Motive größer oder kleiner machen und verschieben. Mir ist dabei wichtig, dass es weiterhin handgemacht aussieht.

Lina Ernst Gemaltes Hack
Lina Ernst beim illustrieren von »Gemischtes Hack«

Der Podcast »Gemischtes Hack« erscheint immer mittwochs. Deine Posts kommen auch am Mittwoch. Wann hörst du die Folge? Malst du direkt mit oder machst du dir erst Notizen? Wie sieht der Prozess aus? 

Lina: »Mittwoch ist und bleibt Hacktag!« Da höre ich morgens als Erstes »Gemisches Hack«. Dabei mache ich mir Notizen und im Anschluss male ich. Meistens sammle ich schon Ideen, während ich höre. Wenn sie zum Beispiel eine bestimmte Person erwähnen oder über eine Serie oder Sendung sprechen, von der ich das Logo nicht im Kopf habe, google ich nebenbei und mache mir für jede Folge einen kleinen Ordner mit Motivvorlagen. Manche Sachen fliegen auch wieder raus. Während dieser Stunde Podcast bereite ich mir die Vorlagen und alle Skizzen vor. Dann mache ich mir einen zweiten Kaffee und fange an zu zeichnen. Insgesamt dauert es mit Hören und Zeichnen dreieinhalb bis vier Stunden. 

Hörst du die Folge mehrmals oder nur einmal?

Lina: Eigentlich höre ich sie nur einmal. Wenn ich noch ein exaktes Zitat brauche, muss ich mich noch mal durchklicken. Und wenn ich damit fertig bin, kommt »Gemalter Senf«. Und da die zufällig auch mittwochs rauskommen, ist dieser Tag pickepackevoll.

Zwei Podcasts und zwei Instagram-Accounts an einem Tag. Wieso hast du dich entschieden, auch noch »Kaulitz Hills« mit Bill und Tom Kaulitz zu illustrieren? 

Lina: Ich hatte Lust auf inhaltlich anderen Content. Es sind zwar auch wieder zwei weiße Männer, aber ich finde deren Inhalt auf eine ganz andere Art unterhaltsam und abwechslungsreich. Sie sprechen über ihr Luxusleben, Hollywood und ihre Berühmtheit. Dadurch gibt es andere Motive. Hier kann ich Jetset-Leben, Trash-TV und jede Woche Cocktails zeichnen. Das ist eine schöne Abwechslung zu Tommi und Felix.

Ist der Prozess bei »Gemalter Senf« genauso wie bei »Gemalter Hack«? 

Lina: Ja, nur, dass ich von Anfang an die Erfahrung aus den Jahren mit Hack hatte. Insofern habe ich direkt digital gezeichnet. Ich habe natürlich aus »Gemaltes Hack« gelernt, deshalb ist der Flow sehr viel einfacher und schneller für »Kaulitz Hills«. Ich habe von einigen das Feedback bekommen, dass sie Senf noch ein bisschen eleganter und die Zeichnungen schöner finden. Es kann aber auch daran liegen, dass sich das Auge über die Jahre an die Farbwelt von Hack gewöhnt hat. 

Wo liegt für dich der größte Unterschied, wenn du die beiden Sachen malst, außer farblich?

Lina: Bei Hack landen sie oft mal in einer philosophischen Gesprächsrunde oder sprechen über Dinge, die als Motive sehr schwer umzusetzen sind. Es ist eine größere zeichnerische Herausforderung, wenn sie über politische und persönliche Themen sprechen. Ich muss mich dann entscheiden, wie ich das einbaue oder weglasse, um den Inhalten irgendwie gerecht zu werden. Das ist ein großer Unterschied zwischen den Podcasts. Bei Bill und Tom ist es eher so, dass sie schön hintereinander wegreden und man die Themen gut illustrieren kann. Da ist es eher so, dass ich Sachen rausschmeißen muss, weil ich wahnsinnig viele Notizen und Ideen habe.

»Kaulitz Hills« hat, anders als »Gemischtes Hack« ja auch feste Kategorien, die sie jede Woche besprechen.

Lina: Das stimmt. »Gemischtes Hack« hat kaum mehr Kategorien, bis auf die »Fünf Fragen an …«, die ein festes Designelement sind und auf der Illustration fast immer den gleichen Platz haben. Bei Senf ist es ein bisschen leichter, weil ich weiß, es gibt den Drink der Woche oder die Kategorie »Süß, Mittel, Extrascharf«. Man hat feste Elemente, um die man den Rest herum bauen kann. Das ist einfacher und geht insgesamt schneller. Wenn sie bei Hack vom Hundertstel ins Tausendstel kommen, frage ich mich manchmal, wie ich daraus jetzt eine Zeichnung machen soll. Hack ist für mich als Zeichnerin im Vergleich zu Senf – ohne Wertung – anspruchsvoller umzusetzen.


»Wenn sie bei Hack vom Hundertstel ins Tausendstel kommen, frage ich mich manchmal, wie ich daraus jetzt eine Zeichnung machen soll. Hack ist für mich als Zeichnerin im Vergleich zu Senf – ohne Wertung – anspruchsvoller umzusetzen.«

Lina Ernst


Gleiche Frage wie eben: Wie sind Bill und Tom auf dich aufmerksam geworden?

Lina: Bei denen ging es wahnsinnig schnell. Natürlich habe ich gehofft, dass sie mich erwähnen. Insofern habe ich mich total gefreut, als sie mich nach nur wenigen Folgen mit vollem Namen im Podcast erwähnt haben.

Anders als Hack hat »Kaulitz Hills« ein eigenes Instagram-Handle. Die treuen Zuhörer*innen haben also einen Ort auf Instagram, an dem sie sich über den Podcast austauschen können. Bei Hack gibt es das nicht, vielleicht war das damals das »Erfolgsrezept«. Da trifft sich die treue Hörerschaft, um sich darüber auszutauschen, was in der Folge los war. Das merkt man auch an den Kommentaren. Das ist quasi der Mini-Stammtisch bei Instagram für diesen Podcast.

Du verkaufst auf deiner Homepage Kalender, Sticker und Karten mit den Motiven von »Gemaltes Hack«. Wie kam es dazu?

Lina: Vor dreieinhalb Jahren hatte ich einen eigenen Kalender mit meinen Illustrationen, den ich im Freundeskreis teilweise verschenkt und in kleineren Läden im Kiez verkauft habe. Dann kam die Idee, das auch mit den Illustrationen von Hack zu machen. Also habe ich 100 Kalender drucken lassen. Innerhalb von 10 Minuten waren diese ausverkauft. Mit den Einnahmen habe ich dann eine größere Auflage nachproduzieren können und die Hackis waren begeistert. Innerhalb von zwei Wochen habe ich mithilfe von Freunden einen Onlineshop, die Produktionskette und die Versandorganisation auf die Beine gestellt. Mit den Jahren sind dann noch Postkarten, Stickerkarten und DIN-A3-Prints dazu gekommen.

Und hast du das alles selber verpackt und verschickt?

Lina: Ja, mit großer Hilfe von meinen Freunden. Wir haben über die drei Jahre hinweg viel gelernt. Im ersten Jahr mussten wir die Kalenderblätter noch selbst zusammenlegen und alle weiteren Produktionsschritte organisieren. Themen wie Verpackungsmaterial, Kundenmanagement und Versandorganisation waren für mich völlig neu. Man kann zum Beispiel nicht mit Hunderten Paketen einfach zur Post gehen, sondern muss sich um die Frankierung und den Transport anders kümmern. Da habe ich eine Menge gelernt und bin quasi über Nacht in einen völlig neuen Job reingewachsen.

Daran hast du jetzt wahrscheinlich schon etwas verdient, oder?

Lina: Für die Zeichnungen selbst werde ich nicht bezahlt. Es ist in dem Sinne keine Arbeit, sondern ein gut laufendes Hobby. Bisher ist noch kein einziger Sponsor auf mich zugekommen, obwohl der Account über 100.000 Follower hat. Man sieht ja nie mein Gesicht. Ich kann da also nichts vermarkten. Insofern gibt es überhaupt keine Monetarisierung über den Kanal. Ich kann nur den Link zu meinem Onlineshop in die Story packen und dann darauf warten, dass die Leute es so abfeiern, dass sie meine Produkte im Onlineshop kaufen.

Hast du noch weitere Podcast-Illustrationen in Planung?

Lina: Bisher nicht. Als Künstlerin bin ich manchmal etwas unsicher und muss mich immer erstmal überwinden, einfach ein neues Projekt zu starten. Grundsätzlich kann ich mir das vorstellen, weil Podcastillustration eine ganz spezielle Arbeit ist, die großen Spaß macht.

Hast du mit Felix Lobrecht und Tommi Schmitt oder mit Bill und Tom Kaulitz Kontakt? Es wäre doch cool, wenn sie dich mal in den Podcast einladen.

Lina: Der Vorschlag kam von den Hackis auch schon öfter, bisher ist das nicht passiert. Klar wäre das cool! Als ich anfing, die Kalender zu produzieren, hatte ich kurz Kontakt mit Felix und Tommi. Ich wollte sichergehen, dass es für sie okay ist, dass ich damit ja auch eine Art Merch verkaufe. Ansonsten gibt es – sowohl mit Tommi und Felix als auch mit Bill und Tom – bisher keinen Kontakt, außer fleißiges Supporten und Liken auf Instagram.

Maren Papenbroock

Podcasts hören und darüber schreiben? Traumjob! Maren ist Redakteurin bei Podstars by OMR, ihre Texte sind auf dem Blog und im MIXDOWN-Newsletter zu lesen.

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