14.06.2023
Maren Papenbroock

»Mir relativ egal«: Mirella Precek über ihren Solo-Podcast auf YouTube und mentale Gesundheit

Mirella Precek Mirellativegal

Podcasts kann man auf allen möglichen Plattformen hören. (Eine Übersicht haben wir hier übrigens mal erstellt.) Aber auch die Videoplattform YouTube bietet sich für das Konsumieren von Podcasts an. Immer mehr Podcaster*innen filmen sich auch bei der Aufnahme und verwenden das Material für YouTube oder ihre Social Media Accounts.

Mit YouTube kennt sich meine Interviewpartnerin besonders gut aus: Mirella Precek alias Mirellativegal ist seit über zehn Jahren auf YouTube und Instagram aktiv – das entspricht gut einem Drittel ihres bisherigen Lebens. Angefangen mit Beauty-, Outfit- und Lifestyle-Videos postet sie heute gerne Reactionvideos zu TV-Formaten wie »Der Bachelor«, »Prominent getrennt« oder »Temptation Island«. Sie beschäftigt sich aber auch mit Nachhaltigkeit und Veganismus und redet über Themen rund ums Muttersein. Außerdem ist sie Autorin, hat mehrere Songs veröffentlicht und ist Gründerin der Puzzle-Firma »Willa Wunst«. Was fehlte da noch? Na klar, der eigene Podcast! Davon hatte Mirella zwar schon zwei in der Vergangenheit (»Muss das sein?« und »Podkiste«), aber aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei oder eben so viele, wie es braucht.

Im Podcast »Mir relativ egal« setzt sich Mirella alle zwei Wochen vors Mikro und vor die Kamera, um über Themen zu sprechen, die sie bewegen. Die Themenbandbreite ist groß: Sie spricht über Selbstoptimierung, Feminismus oder Reality-TV und widmet sich Tabuthemen wie Fehlgeburten.

Beim Event Spotify All Ears hatte ich die Möglichkeit, mit Mirella über ihren Podcast zu sprechen. Sie hat mir erzählt, wie sie sich auf die Aufnahme vorbereitet, wieso sie sich vor der Kamera so wohlfühlt und wie der Podcast ihr bei der mentalen Gesundheit hilft.

Interview mit Mirella Precek zum Podcast »Mir relativ egal«

Dein Podcast »Mir relativ egal« ist ja nicht dein erster Podcast, sondern schon dein dritter. Bei den anderen Podcasts hattest du Gäste oder einen weiteren Host. Kannst du sagen, was du lieber magst? 

Mirella: Ich glaube, alles hat seine Zeit. Damals mit Flo gemeinsam den Podcast zu machen, war eine schöne Erfahrung. Aber ich finde, ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich weiß, dass ich das auch alleine schaffe. Ich bin auch als Frau nochmal gewachsen und habe mich weiterentwickelt und ein ganz anderes Standing für mich. Deswegen ist es auch schön zu sehen, dass ich das auch alles alleine erfolgreich machen kann. Ich glaube, das ist eine der wertvollsten Sachen, die man in so einer Branche haben kann, dass man unabhängig ist.

Wie würdest du das Konzept von deinem Podcast beschreiben? 

Mirella: Ich wollte dieses Mal ein bisschen freier an die Sache rangehen. Ich wollte mich auf eine Podcastreise begeben und dem Projekt die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und entfalten. Das ist ganz organisch passiert. Ich finde es sehr wertvoll, wenn man die Möglichkeit hat. Ich kann einfach drauf losreden. Das ist das Tolle im Podcast und am Internet allgemein, dass man selber entscheiden kann, welche Inhalte man produzieren will.

Ich habe letztens einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, zufrieden zu sein, mit dem, was man hat. Und ich bin mit dem Podcast sehr zufrieden. Ich weiß nicht, wie viele Leute den hören, weil mir Zahlen nicht so super wichtig sind. Aber es würde für mich auch keinen Unterschied machen, ob ihn jetzt 10.000 oder 100.000 hören, weil ich wahnsinnig gerne über Themen rede, die mich beschäftigen oder die andere Leute berühren. Ich mache es wirklich wegen des Inhalts. Bei mir geht es primär um eine Weiterentwicklung und persönliche Entfaltung, weil ich gemerkt habe, dass ich damit auch langfristig diesen Job als Creatorin machen kann. 


»Bei mir geht es primär um eine Weiterentwicklung und persönliche Entfaltung, weil ich gemerkt habe, dass ich damit auch langfristig diesen Job als Creatorin machen kann.«

Mirella Precek


Überlegst du dir vorher, über was du sprichst? 

Mirella: Ich habe mir angewöhnt, jede mögliche Idee, jeden Gedankengang, der irgendwie interessant sein könnte – egal für welches Format – mir selbst bei WhatsApp zu schicken. Da sammle ich alles, weil man Sachen so schnell wieder vergisst. Dann gucke ich meistens am Tag der Podcastaufnahme, welches Thema mich gerade beschäftigt und mache mir ein paar Stichpunkte, an denen ich mich so ein bisschen entlanghangele. Die Folgen gehen aktuell 30 Minuten, da muss man ein bisschen überlegen, wo fange ich an, wo gehe ich hin? Die Stichpunkte helfen mir, entspannter in die Aufnahme zu gehen. Je öfter ich den Podcast aufnehme, desto souveräner bin ich. Gerade am Anfang oder bei Themen, die mir am Herzen liegen, war ich angespannt, weil ich den Anspruch hatte, dass es gut werden muss und ich alles sage, was ich mir gedacht habe. Ein Grundkonzept steht. Aber vieles ist dann auch einfach im Moment, was noch reinkommt.

Du hast beim Spotify All Ears Event über mentale Gesundheit gesprochen. Das ist auch immer wieder Thema in deinem Podcast. Wieso glaubst du, dass das ein gutes Thema für Podcasts ist? 

Mirella: Ich glaube, mentale Gesundheit darf überall stattfinden. Egal, ob im Podcast, auf YouTube oder im echten Leben. Natürlich ist Podcast eine gute Plattform, weil man Zeit hat, über Sachen zu reden. Bei YouTube muss ja auch die ganze Zeit visuell was passieren. Im Podcast hat man einfach die Zeit, sich zu erklären, die Leute mit auf eine Reise zu nehmen, Awareness für Themen zu schaffen und den Leuten die Wahl zu lassen, ob sie die Folge hören möchten oder nicht, wenn es eine Folge über ein Thema ist, mit dem sie nicht so gut können. An sich versuche ich sehr verantwortungsbewusst mit solchen Themen umzugehen und keine komischen Sachen in die Welt zu werfen, die nicht wissenschaftlich fundiert sind. Aber ich denke, das Thema mentale Gesundheit darf überall stattfinden. Warum nicht auch im Podcast? 

Fällt es dir schwer, über solche deepen Themen zu sprechen? 

Mirella: Nein, eigentlich nicht. Wenn mir ein Thema sehr wichtig ist, bin ich in der Aufnahme relativ angespannt, weil ich einfach so den Druck verspüre, es möglichst gut zu machen und alle meine Punkte rüberbringen möchte. Aber wenns dann rausgeht, gibt es immer einen kurzen Moment, in dem ich mich frage, ob es so ankommt, wie ich mir das vorgestellt habe, aber das sieht man ja meistens dann in den ersten paar Kommentaren, ob die Leute es in den richtigen Hals kriegen und dann ist es meistens sehr erleichternd. 

Ich kann mir vorstellen, dass Hörer*innen ihre individuellen Geschichten mit dir teilen wollen, wenn du über mentale Gesundheit sprichst. Wie geht es deiner mentalen Gesundheit, wenn die Leute dir schreiben? 

Mirella: Ich lese nicht so viele Kommentare, weil ich weiß, dass es meinen Tag ruinieren kann. Es ist mir früher nicht so aufgefallen, wie doll mich das tatsächlich beeinflusst, aber ich habe dann im Umfeld das Feedback bekommen, warum ich so schlecht drauf sei, und ich wusste selber nicht mal, wieso. Da ist ja immer dieser eine negative Kommentar, der vielleicht auch ein bisschen wahr ist, auch wenn man es selbst vielleicht noch nicht wahrhaben will. Jeder sieht dich ja und interpretiert etwas in dich rein, was ja oftmals auch eine Selbstreflexion ist. Deswegen muss ich da sehr deutlich meine Grenzen setzen. Ich bin nicht verantwortlich für das Leben von anderen. Ich kann dann nur etwas wie Hilfetelefone proaktiv in der Infobox verlinken, sodass die Leute Möglichkeiten haben, sich professionelle Hilfe zu suchen. Aber ich kann das nicht leisten. Ich bin Entertainerin und Creatorin und das ist ganz eindeutig meine Rolle. Auch wenn diese parasozialen Beziehungen bestehen, dass die Leute vielleicht denken, sie kennen mich und wir sind befreundet – es ist nicht so. Das hat auch etwas mit Medienkompetenz zu tun und das kann jeder lernen.


»Ich lese nicht so viele Kommentare, weil ich weiß, dass es meinen Tag ruinieren kann.«

Mirella Precek


Dein Podcast ist auch auf YouTube mit Video zu finden. Wieso hast du dich dafür entschieden?  

Mirella: Ich dachte einfach, das ist the way to go. Ich gucke auch gerne mal rüber in die USA zum Beispiel und bin da sehr offen und gucke, was sonst so passiert. Ich habe das Equipment und das Know-how, sowas auch als Video zu machen, warum also nicht? Es gibt sicher Leute, die das Bild nicht brauchen und nur das Audio Erlebnis haben wollen. Das Visuelle on top zu haben, ist noch was anderes, weil man ja noch mal Mimik und Gestik sieht. Ich lasse den Leuten offen, ob sie es mit oder ohne Video hören. Natürlich gibt es auch einen Algorithmus, der die Videos mal random vorschlägt. Da gucken die Leute dann vielleicht auch eher rein, weil sie mein Gesicht von YouTube vielleicht auch schon kennen. 

Glaubst du, wenn du kein Video hättest, würdest du anders über die Themen sprechen? Beeinflusst dich die Kamera?  

Mirella: Ich wäre auf jeden Fall öfter ungeschminkt und würde mir weniger Gedanken machen, ob mein Outfit zum blauen Hintergrund passt (lacht). Man kann sich auch ungeschminkt im Internet zeigen. Das ist es nicht. Aber das ist dann schon eher so, dass man auf so etwas achtet. Ich habe letztens aber auch einen Podcast mit offener Hose gemacht. Ganz so doll achte ich auch nicht darauf. 

Aber das ist ja authentisch. 

Mirella: Ich bin es gewohnt, dass irgendwo auch eine Kamera ist und dass ich sie als Ansprechpartnerin habe. Deswegen ist es für mich kein so großer Unterschied, ob ich mitfilme oder nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es bei anderen Leuten anders ist.

Viele sagen ja, dass sie an Podcasts besonders mögen, dass sie nur hören müssen …  
Mirella: Die Leute haben ja auch die Wahl, sie können die Augen trotzdem schließen (lacht).

Foto von Mirella Precek: © EyeCandy Berlin

Mir-relativ-egal-Podcast-Cover
Der Podcast »Mir relativ egal« erscheint alle zwei Wochen donnerstags, u. a. auch auf YouTube

Maren Papenbroock

Podcasts hören und darüber schreiben? Traumjob! Maren ist Redakteurin bei Podstars by OMR, ihre Texte sind auf dem Blog und im MIXDOWN-Newsletter zu lesen.

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