11.11.2021
Denise Fernholz

Was machen all die YouTube- und Twitch-Gesichter in den Podcast-Charts?

Wenn man sich die Top 10 der deutschen Podcast-Charts so anguckt, könnte man meinen, man sei auf der falschen Plattform gelandet: jede Menge Gesichter von bekannten YouTuber:innen und Twitch-Streamern (ja, das sind leider ausschließlich Männer, so wie ein Großteil der oberen Podcast-Charts). Mit dabei sind »Offline + Ehrlich« von Trymacs, Varion und UnsympathischTV, »Hobbylos« von Rezo und Julien Bam, »Chatgeflüster« von MontanaBlack und Unge (übrigens ein Podstars Original 🤓) und »Dick & Doof« von LaserLuca und SelfieSandra. Klar, Podcasts wie »Das ist ja Claße(n)« von BibisBeautyPalace oder »Pussytalk« von Adorable Caro und SonnyLoops gibt es schon eine Weile, aber erst in den letzten Wochen spielen die Influencer:innen-Laber-Podcasts (wie man sie vielleicht nennen könnte) eine größere Rolle.

Warum das vollkommen Sinn macht:

  1. Wenn Influencer:innen (so nenne ich sie jetzt alle mal der Einfachheit halber) einen Podcast launchen, brauchen sie nicht erst eine Hörer:innenschaft aufbauen, die bringen sie direkt mit – und das gleich im Doppel- oder Trippelpack, wenn sie sich mit anderen zusammenschließen. Man könnte es auch dauerhafte Cross-Promotion nennen. So werden beispielsweise aus MontanaBlack-Fans mit Glück auch Unge-Fans und umgekehrt. Win-Win für alle Seiten.
  2. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist die Podcast-Landschaft vor allem in Deutschland noch sehr übersichtlich, wenn man sie mit der Anzahl an YouTube-Channels oder Instagram-Profilen vergleicht. So ist es insbesondere mit einer bestehenden Fan-Community relativ einfach, in die Top 100 der Podcast-Charts zu gelangen und so wiederum von Podcast-Hörer:innen entdeckt zu werden, die dann Follower:innen auf den anderen Kanälen werden könnten.
  3. Podcasts schaffen eine sehr intime Atmosphäre, die mit Videos nicht so einfach zu erzeugen ist. Da sich Fans generell ihren Stars sehr nahe fühlen und möglichst viel über ihr Privatleben erfahren wollen, liegt ein Laber-Podcast quasi auf der Hand. Tut man sich mit anderen Influencer:innen zusammen, bekommt man noch mehr Input, über den man reden kann. So verringert sich die Gefahr, dass einem der Gesprächsstoff ausgeht.
  4. Die Fans sind Kooperationen mit Werbepartnern schon gewöhnt und vertrauen auf die Empfehlungen ihrer Stars. Dadurch sind Influencer:innen besonders interessant für Marken, die auf Podcast-Werbung setzen – was eine zusätzliche Einnahmequelle bedeutet. Bestehenden Werbepartnern können sie einen zusätzlichen Kanal bieten.
  5. Laber-Podcasts sind in der Produktion viel weniger aufwendig als viele Videos. Man muss nicht darauf achten, wie man aussieht, man muss in der Regel weniger schneiden und man muss nicht währenddessen oder danach auf Kommentare eingehen. Viele Menschen können sich besser fallen lassen und sprechen freier, wenn keine Kamera auf sie gerichtet ist. So kann ein Podcast viel persönlicher wirken.
  6. Vor allem sind Podcasts auch weniger aufwendig im Konsum. Während Corona haben viele noch mehr vor dem Bildschirm gesessen und eine sogenannte »Screen Fatigue« bekommen, also kein Bock mehr auf Laptop, Handy und Co. Und der große Vorteil von Audio: Man hat die Augen und Hände frei für andere Dinge wie Autofahren, putzen oder kochen. So können Influencer:innen teil des Alltags ihrer Fans werden.

Wo sind die ganzen Frauen?

Nach der Welle an Promi-Podcasts – die lange nicht so groß war und ist, wie Podcast-Kritiker:innen behaupten – erwartet uns jetzt eine Welle an Influencer:innen-Podcasts. Angesichts der sechs Gründe (kein Anspruch auf Vollständigkeit), die ich euch oben genannt habe, wären YouTuber:innen und Streamer:innen eigentlich schön blöd, wenn sie sich diese Chance entgehen lassen.

Eine Sache gibt es aber noch, die ich bei dem Thema ansprechen muss: Ich wünsche mir mehr Podcasts von weiblichen YouTuberinnen und vor allem Streamerinnen. (Generell braucht es viel mehr Streamerinnen.) Denn ich hab’s oben schon mal angerissen: Die Podcast-Charts sind eine ganz schöne Würstchen-Parade. Dabei gibt es so viele lustige, schlagfertige, interessante, kluge Frauen da draußen im Internet! Es gibt verschiedene Theorien, warum Podcasts mit Frauen weniger erfolgreich sind, als die mit Männern. Eine davon: Männer hören lieber Männern zu. Frauen hingegen allen. Also, liebe Männer da draußen: Hört doch ab und zu mal in einen Podcast mit Hostinnen rein. Ich bin mir sicher, ihr findet einen, der euch gefällt! Ihr müsst nur mal über euren Schatten springen.

Denise Fernholz

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