15.05.2020
Annamaria Herkt

Date on Tape & Podstars – it’s a Match!

Unsere Content Managerin Annamaria berichtet heute aus einer ganz persönlichen Sicht von der Produktion unseres ersten eigenen Podstars-Podcasts und gibt Einblicke, wie eine schnelle Idee zu einem der spannendsten Projekte in der jungen Podstars-Geschichte geworden ist.

“Das Medium Podcast ist dafür prädestiniert andere Menschen intim und persönlich kennenzulernen ohne auf Oberflächlichkeiten zu achten. Am besten erlebbar machen lässt es sich durch eine Podcast-Dating-Show, die es in dieser Form so auf dem deutschen Markt noch nie gegeben hat.” – Vincent Kittmann, Head of Podstars 

Wenn dir dein Chef einen Blind Dating Podcast vorschlägt… 

…war unsere Reaktion erstmal “wow, really?”, dann zu “wie geil ist das denn?” und schließlich “wie finden wir denn die Teilnehmer?” 

So oder so ähnlich startete unsere erste Brainstorming-Session. Ungefähr drei Monate haben wir getüftelt und gearbeitet und letztendlich innerhalb eines Quartals den Podcast konzipiert, produziert und gelauncht – trotz der allseits bekannten Corona-Situation. Ich persönlich bin immer noch total geflasht von unserer Teamarbeit und dass wir mal kurz so etwas völlig neues aus dem Boden stampfen konnten, neben all den laufenden Projekten. Es ist das erste Podstars Projekt, ohne Geld- oder Auftraggeber, selbst ausgedacht und umgesetzt mit ganz viel Herz. Wahrscheinlich hat uns dieses Projekt in der schwierigen Corona Shutdown Zeit noch einmal extra zusammengeschweißt.

Als dann plötzlich im Februar die Netflix Serie “Love is Blind” rauskam, wussten wir kurz nicht, ob wir uns freuen sollten oder unsere Hörer das Gefühl bekommen, wir hätten die Idee geklaut. Wir beschlossen uns nicht beirren zu lassen und noch mehr Herzblut hinein zu stecken. Tatsächlich haben wir durch unser Netzwerk extrem schnell die wunderbare Moderatorin Anne Raddatz – die Beste und Witzigste, die wir uns vorstellen konnten gefunden, tatsächlich empfohlen von Tagesschausprecherin Linda Zervakis, die ich durch Fiete Gastro kennenlernen durfte. Anfragen laufen mittlerweile kurzerhand über Instagram ‘direct messages’ und werden mit etwas Glück dann auch beantwortet. 

Wir beschlossen ziemlich schnell, dass wir das Format mit einer Single Lady starten wollen, in den nachfolgenden Staffeln ist noch genug Platz für Männer und gleichgeschlechtliches Dating. Unsere Single Lady Sophie Peinemann kam uns auch regelrecht zugeflogen, da OMR-Kollegin Hanna ab und zu an den Wochenenden im Nachtclub Nikki Tiger arbeitete, sodass sie uns schnell eine sympathische, attraktive Dame vorschlug, mit einer nicht ganz irrelevanten Followerzahl zum Start dieses neuen Formats. Als wir sie kennenlernten, wussten wir sofort, dass sie die perfekte Gesprächspartnerin ist. Glücklicherweise schenkte sie uns direkt ihr Vertrauen für die Teilnahme an diesem Experiment und wir fingen an, ihr ein paar gute Männer rauszusuchen.

Es fühlte sich ein bisschen so an, als wäre es zu einfach gewesen – direkt die ersten Gespräche verliefen wie ein 6er im Lotto. Neben Meetings zu Konzeption und Stil des Formats war schon der erste Monat rum, sodass wir schnell mit der Suche nach den Kandidaten beginnen konnten. 

Wie akquiriert man die Singles, fragten wir uns? Auch hier ist das eigene Netzwerk natürlich nicht irrelevant, denn erstmal kramt jeder in seiner Bekannten-Kiste und schaut wer in Frage kommen würde – unsere Single Lady hat schließlich auch gewisse Vorstellungen. Dann gibt es natürlich noch Instagram. Schönen Instagram Models und Influencern wären wir selbstverständlich auch nicht abgeneigt, jedoch war auf diesem Akquiseweg schnell klar: Sie sind entweder nicht mehr Single oder haben Angst um ihren Ruf – verständlich, wenn man an die ganzen Bachelor-Kandidaten denkt. Was dann? Wir begannen uns auf Online Dating Plattformen umzuschauen, denn wir wollten gerade das oberflächliche, auf das Aussehen bezogene Dating umgehen und uns nur auf die Stimme und den Charakter konzentrieren. Auf Plattformen wie Tinder ist ja bekanntlich das Frustrationspotential mit Dickpics, Menschen die nicht so aussehen wie in echt oder Leuten, die gar nicht erst antworten relativ hoch. Da dachten wir, dort finden wir bestimmt Kandidaten für ein Blind Date. Der Trigger: erst, wer ins Finale kommt, darf mit unserer Sophie bei einem gemütlichen Dinner in die Augen schauen. 

Wir versicherten unseren Auserwählten, dass sie sich keine Sorgen machen sollte, in diesem Podcast ginge es nicht um Heiratsanträge, ums Rosen verschenken oder um Hubschrauberflüge. Unsere Moderatorin hatte für uns das Vergnügen, die Kandidaten kennen zu lernen, bei den Dates zuzuhören – so wie auch unsere Hörer – und anschließend die Fragen zu stellen, die uns auf den Lippen brennen. Single Lady Sophie darf in den kommenden Folgen der ersten Staffel, aus sechs sorgfältig ausgesuchten Männern wählen. Den ersten Eindruck von den Herren bekommt sie, passend zum Zeitgeist, über Sprachnachrichten und den “Insta-Stalking”- Fähigkeiten unserer Moderatorin. Mit drei der Kandidaten gibt es dann ein Date im Studio – inklusive Sichtschutz versteht sich. Zuvor ließen wir die Kandidaten Fragen beantworten, die sich Sophie mit Anne gemeinsam ausdenken durfte und die als Bewerbung eingesandt wurden, zusammen mit einem kleinen Steckbrief und drei ihrer Lieblingssongs. Daraufhin kuratierten wir die Skripte, entwickelten die Inhalte der Folgen in regelmäßigen Terminen mit Anne. Wir stellen fest: es ist gar nicht so einfach ein Dating Format zu machen und dabei nicht kitschig zu sein oder langweilige Klischee-Fragen zu stellen. 

Nun, als wir kurz davor standen die drei Blind Dates aufzunehmen, an einem Wochenende, damit wir viel Ruhe im Büro hätten, wurde verkündet, dass alle Clubs, Bars und Restaurants schließen müssen. Das war Mitte März. Und nun? Unsere Moderatorin in der Risikogruppe, wir total überfordert mit den neuen Umständen. Wir beschlossen die Aufnahmen abzusagen. Abends kamen mir kurz die Tränen, denn ich dachte das wär’s jetzt gewesen mit dem Projekt und Corona macht uns alles kaputt. 

Es dauerte nicht lang, da disponierten wir um, besorgten unserer Moderatorin, die von zu Hause aufnehmen konnte Equipment und brieften alle Teilnehmer des Projekts neu. Glücklicherweise waren alle Beteiligte einverstanden ins Studio zu kommen, solange alle Hygienemaßnahmen eingehalten wurden, keiner sich krank fühle und ein gewisser Abstand zwischen beiden Personen in einem Raum eingehalten würde, konnten wir es durchziehen. Unser Motto: Projekt gerettet und jetzt Vollgas das Ding fertig produzieren, bevor noch mehr unvorhergesehene Situationen entstehen. Technisch war es eine Herausforderung, denn wir nahmen in den Vorgesprächen jeweils die Spuren auf, nutzten Facetime als Kommunikationskanal zwischen Anne und Sophie. Da sich so aber nur Sophie und Anne hören konnten, musste eine Person bei Sophie im Studio bleiben um sie zu supporten und der Rest per Whatsapp Call in einen anderen Raum gehen, um Anne zu hören und ihr bei Fragen oder Feedback zur Seite stehen, während wir wiederum Sophie nicht hören konnten. Es war super kompliziert, aber wir schafften es. Bei den Dates legten wir Annes Whatsapp Anruf ins Studio und sie konnte so die Dates hören und sich ein paar Notizen machen. 

Natürlich stellten wir uns die ganze Zeit die Frage: Wird unser Experiment Früchte tragen und verknallt sich Sophie vielleicht wirklich in einen der Kandidaten? Lernt man sich tatsächlich über die Stimme besser und intensiver kennen? Worüber werden die Kandidaten bei ihren Blind Dates wohl sprechen?

Als dann die Blind Dates stattfinden konnten, ging unser Herz auf. Es funktioniert! Ja, sie haben genug zu reden und ja, man kann tatsächlich ohne sich zu sehen ein Date haben. Zur Sicherheit bereiteten wir Buttons vor (“Nippel”, wie sie bei TV Total damals hießen), die Sophie jederzeit drücken kann und mit “Entweder-Oder-Fragen” von Anne bespielt waren, die sie gleichzeitig beantworten mussten. Zusätzlich legten wir auf beide Seiten noch 3 rote Briefe mit Fragen, die sie benutzen können, falls ihnen die Themen ausgehen. Nun ja, zu viel Spoilern darf man natürlich nicht, aber ein bisschen kitschig wurde das finale Date dann doch. Mit Herzchen-Konfetti und dem Lieblingsessen unserer Kandidatin.

Nachdem wir alle Folgen produziert hatten, gab es nun etwas mehr als einen Monat Zeit für die Postproduktion der Episoden. Nebenher wurde in Teamarbeit das Cover kreiert, der Jingle komponiert und eingesungen und der Launch geplant. Ein Monat vor Launch starteten wir mit einem Dating Instagram Account, ohne erstmal zu verraten, dass es sich um einen Podcast handeln würde. Zum Launch hatte dieser Account bereits knappe 200 Follower, die Zahl verdoppelte sich innerhalb einer Woche. Wir veröffentlichten also zunächst Dating Themen, Memes, Zitate aus den Episoden, Headliner, Videos und Fotos.

Marketingseitig mussten wir zum Launch des Podcasts nun einiges auffahren. Natürlich kontaktierten wir zuerst unser Netzwerk, verschickten Pressemitteilungen, Emails mit Social Media Assets, schrieben persönliche Nachrichten an Freunde, die wiederum den Podcast hören und weiterempfehlen sollten. Wir schrieben Podcaster an, auf das Format in ihren Podcasts hinzuweisen, buchten Podcast-Rolls bei Formaten wie Fiete Gastro und No No Yes Yes. Außerdem wurde das Format für ein Feature bei Apple Podcast vorgeschlagen. Geheimtipp Hamburg veröffentlichte für uns eine Story, in der Sophie das Format erklärte, wir produzierten Ads für Instagram Stories, Facebook Posts und Youtube-Werbung. Eine Out-of-Home-Kampagne planten wir mit Plakaten und Stickern. Außerdem gab es ein Feature auf Spotifys Instagramkanal und dazu Lob von Spotify Chef Michael Krause höchstpersönlich.

Und wie das Ganze jetzt ankommt und funktioniert, gibt es bestimmt nochmal als Recap im nächsten Blogartikel. Die erste Staffel von Date on Tape gibt es ab jetzt jede Woche freitags – überall, wo es Podcasts gibt.

www.dateontape.de

Anne Raddatz (@ahaundahoi) arbeitet als Radiomoderatorin, Musikredakteurin und Podcasterin beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Gemeinsam mit Fettes Brot produziert sie seit 5 Jahren den Podcast ‚Was wollen wissen‘.
Sophie Bernadette Peinemann ist Social Media Expertin und Influencerin. Neben einem eigenen, erfolgreichen Instagram Profil (@sophieberna) mit mehr als 30k Followern, hilft die Studentin und Wahlhamburgerin verschiedenen Unternehmen, Social Media Strategien zu entwickeln und Marketing im Digital Media Bereich zu optimieren.

Annamaria Herkt

Von der Hauptstadt in die Hafenstadt. Bringt den grünen Daumen mit ins Team. Kümmert sich um Konzeption bei Podstars.

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