08.04.2021
Constantin Buer

Bestimmt Dynamic Content die Zukunft des Podcastings?

Kaum eine Branche wächst so schnell wie die Podcast-Branche. Da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Die wichtigsten Entwicklungen fassen unsere Geschäftsführer Constantin und Vincent deshalb jeden Monat zusammen. In der aktuellen PodTalk-Ausgabe geht es um um Dynamic und Syndicated Content, Konkurrenz für Clubhouse und den neuen Podcast von Paris Hilton. 

Beim Thema Podcast-Werbung kommt man mittlerweile um das Buzzword Dynamic Ad Insertion nicht mehr drum herum. Mit DAI können – wie der Name schon sagt – Werbeblöcke dynamisch eingefügt werden, die sich passend auf die Hörer:innen zuschneiden lassen. Jemand kommt aus Hamburg? Dann gibt es eine Werbung von einem Restaurant aus der Nähe. Jemand hört besonders oft Podcasts über True Crime? Dann wird ihm oder ihr bestimmt auch diese Empfehlung für einen anderen True Crime-Podcast gefallen. 

So weit, so bekannt. Evo Terra, Autor und Host von “Podcast Pontifications” geht aber noch einen Schritt weiter und empfiehlt Podcaster:innen, auch dynamische Inhalte, also Dynamic Content, mitzudenken. Warum? So schafft man Zeitlosigkeit. Wie? Indem man die Episode nach dem Mastering nicht als abgeschlossen ansieht, sondern nur als Basis. Schon vor der Aufnahme sollte man sich überlegen: An welchen Stellen machen Abschnitte Sinn, die ausgewechselt werden können. Zum Beispiel bei der Ansprache. Man könnte für verschiedene Großstädte oder Länder  eigene Ansprachen einsprechen. Oder für verschiedene Wochentage (je nachdem, wann die Folge angehört oder runtergeladen wird), Jahreszeiten, aktuelle Events, you name it. Terra nennt diese Art des Contents nicht nur “Evergreen” sondern “time activated”. Man könnte auch den Sprachgebrauch an die App, die die Hörer:innen benutzen, anpassen. Bei Apple sagt man dann zusätzlich zu “Folgt dem Podcast” noch “Schreibt eine Bewertung” (was man bei der Konkurrenz bekanntlich nicht kann.) Man könnte sogar unterscheiden zwischen Abonnent:innen und denen, die noch Abonnieren klicken sollen. Ausprobiert hat das Terra bereits zusammen mit Host Bryan Barletta im Podcast “Sounds Profitabl‪e‬”.

Wer keine Kapazitäten für eigenen Dynamic Content hat, könne es auch mit Syndicated Content probieren, also Inhalte, die nicht von einem selbst stammen. Auch diesem Thema hat sich Evo Terra gewidmet und macht direkt ein paar Vorschläge. Ein Urlaubspodcast könnte zum Beispiel Platz lassen für Urlaubsangebote, die je nach Download-Datum angepasst werden könnten. Dasselbe ist mit News zu dem jeweiligen Thema der Show möglich. Oder mit den neuesten Ergebnissen bei einem Sport-Format. So sind einfache Kollaborationen mit anderen Podcasts möglich. In Zukunft könnte man auch Musik an bestimmten Stellen einfügen. (Bei Spotifys Hosting-Plattform Anchor bereits möglich.) 

Klassische Medien wie Radio, TV, Magazine und Websites nutzen bereits Syndicated Content, in Form von Pressemitteilungen, eingekauften Videos oder “Empfehlungen” zu anderen Websites am Ende von Online-Artikeln. Terra empfiehlt, sich zu überlegen: Wer macht gerade Content, den ich gerne für mich hätte? Ausprobieren kann man das mit Terras eigens dafür angepassten Content “Minute of Pod Zen”. Das sind 60-sekündige Zusammenfassungen von seinen Podcast-Episoden, die nach Absprache und mit den nötigen technischen Voraussetzungen beim Hosting-Anbieter in den eigenen Podcast eingebaut werden können.

Angriff aufs Clubhouse

Spätestens seit dem Hype um die Live-App Clubhouse ist auch das Thema Social Audio in aller Munde. Zwei Millionen wöchentliche Nutzer:innen soll die Live-App im Februar 2021 gehabt haben. Mittlerweile dürften es zumindest aus Deutschland weniger geworden sein. Der große Run aus der Medienbubble ist vorbei – das Thema Social Audio wird uns aber noch länger begleiten. Twitter arbeitet schon länger an seinem neuen Feature Spaces, das sich bereits in der Beta-Phase befindet und Clubhouse sehr ähnelt. 

Und wo ein Trend ist, ist einer nicht weit: Mark Zuckerberg. Er schmeißt mal wieder seinen Ideen-Kopierer an und soll laut Berichten der “New York Times” an einem Konkurrenz-Feature zu Clubhouse arbeiten. Das Produkt stecke aber noch “in einer frühen Entwicklungsphase”. Laut “The Verge” hatte Mark Zuckerberg sein Clubhouse-Debüt Anfang Februar, in einem Raum, in dem über die Zukunft von Augmented und Virtual Reality gesprochen wurde.

Das war’s aber noch nicht. Noch ein bekanntes Gesicht will Clubhouse vom Thron schmeißen: Mark Cuban, den die meisten wahrscheinlich als Investor in der TV-Show “Shark Tank”, dem US-”Höhle der Löwen”, und Eigentümer des Basketball-Teams der Dallas Mavericks kennen. Nun macht er auch im Podcast-Business von sich reden: Laut dem Portal “The Verge” plant er mit Tech-Unternehmerin Falon Fatemi eine Podcast-App “der nächsten Generation”. “Fireside” soll sie heißen und noch dieses Jahr launchen. Der Clou: Die Host:innen können live mit ihren Fans sprechen und ihre Konversationen aufnehmen, analysieren und monetarisieren. Plus: Alle Inhalte werden kuratiert.

Revolution durch Paris Hilton?

Wir bleiben beim Thema, gehen aber in eine andere Richtung. Paris Hilton gehörte schon immer zu den Early Adopter:innen. Im Grunde war sie eine Influencerin, bevor es Instagram überhaupt gab. Dass sie nun auch einen Podcast (“This is Paris”) startet, scheint fast schon etwas late to the party – aber Paris wäre nicht Paris, wenn sie nicht mit einer Innovation um die Ecke kommen würde: “Podposts”, wie sie es im Gespräch mit der “New York Times” nennt. Das seien ein- bis dreiminütige Episoden sein, die von der Tonalität und Frequenz Social Media-Posts nachahmen sollen – zusätzlich zu den wöchentlichen 45-minütigen Folgen. In den “Podposts” soll es Produkt- und Kulturempfehlungen sowie Antworten auf Sprachnachrichten von Fans geben. So bringt die Unternehmerin DIE beiden Themen überhaupt zusammen: Podcasts und Social Media. Könnte sie so eine Revolution anstoßen? 

Co-Host des Podcasts ist TV-Moderator Hunter March, der Paris Hilton hauptsächlich Fragen stellt. Einen Profi mit an Bord zu holen, ist sicher nicht schlecht – aber so klingen die Gespräche noch sehr nach einer klassischen Interview-Situation. Auch wenn das Verhältnis der beiden freundschaftlich wirkt. 

In den wöchentlichen, längeren Folgen treffen die beiden wichtige Personen aus Paris’ Leben, wie ihren Verlobten und ihre Schwester. In den kürzeren Folgen dazwischen, die angekündigten “Podposts”, beantwortet Paris tatsächlich Sprachnachrichten von Fans (die Rubrik heißt “This is My Hotline”) oder spricht über ihre aktuellen Lieblingsserien (“Loves it”). Diese sind aber nicht wie angekündigt nur ein bis drei Minuten lang, sondern eher um die zehn. 

Für den offiziellen Instagram-Kanal zum Podcast werden die Aufnahmen mitgefilmt und in kurzen Ausschnitten angeteasert. Wenn sie in der Folge darüber spricht, dass sie sich bei der Aufnahme unwohl in ihrem Körper fühlt, können die Follower:innen auf Instagram sehen, wie sie dabei aussah: mit Cap und Sonnenbrille. Als sie im Podcast über ihre Verlobung spricht, kann man auf Instagram sehen, wie diese ausgesehen hat. Denn natürlich hatte Paris einen Videographen dabei. So schafft sie eine Symbiose zwischen Social Media und Podcast. Und doch wirkt sie im Podcast noch nicht so nahbar, wie man nach dem “New York Times”-Artikel angenommen hatte. 

Aber wir wissen: Die ersten Folgen jedes Podcasts sind schwer und noch kann man nicht absehen, wie er sich entwickeln wird. Deswegen bleiben wir gespannt und wissen jetzt: Eine Revolution in der Podcast-Branche hat Paris Hilton nicht angestoßen. Aber von ihrer Social-Media-Strategie kann man sich auf jeden Fall etwas abschauen.

Constantin Buer

Hört am liebsten Podcasts. Sieht am liebsten den HSV. Geschäftsführer von Podstars by OMR.

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